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27.09.2012 Regen
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App mit dir


Für alles gibt es eine App, auch für's Saufen

Die Zeiten, zu denen ich betrunken Auto gefahren bin, sind längst vergangen. Stolz kann ich auf meine diesbezügliche Vergangenheit leider nicht sein, so ehrlich soll man an dieser Stelle mal sein. Doch mit einem leicht verklärten Blick auf die eigene Geschichte könnte ich auch sagen: Schade, dass ich so früh jung war. Denn in den 1980er Jahren, da hatten wir ja im Prinzip gar nichts. Nicht einmal ein Handy. Geschweige denn eine App.


App – das ist wohl das Wort des Jahrzehnts im beginnenden dritten Jahrtausend. Denn nichts auf dieser Welt gibt es mehr, das nicht mit einer App geregelt werden kann. App ist übrigens die Abkürzung des neudeutschen Wortes „Application“ und bedeutet nichts anderes als Programm – doch das klingt ja nicht so wichtig.


Zurück zum Alkohol. Jetzt müssen meine tränenunterlaufenen Augen lesen, dass in den USA eine App entwickelt wurde, die Besoffenen das Auto heim bringt – nebst dem Delinquenten selbst natürlich. Auf den ersten Blick möchte man sich fragen: Kann jetzt das iPhone schon Autofahren? Nein, das nicht – noch nicht. Aber mittels App kann man sich zwei nüchterne Menschen herbei rufen. Die übernehmen das Steuer, wenn man zu tief ins Glas geblickt hat. Das kostet dann mal 20 Dollar – leider gibt es das bislang nur in den USA.


Gut ist es, bevor man die 20 Dollar investiert, sich auch die Alkotest-App auf’s Smartphone zu laden. Zwar reicht es nicht, dass man das Handy anpustet, ehe es tiefrot in Ohnmacht fällt und Werte jenseits der Straßentauglichkeit ausspuckt. Nein. Man muss tippen und rechnen lassen: Wie viel habe ich getrunken, wie schwer bin ich? Ich könnte mir vorstellen, dass diese App bei Werten jenseits der 1,0 Promille nur noch schwer zu bedienen sein dürfte. Über die Aussagekraft der Ergebnisse möchte ich mich ohnehin nicht auslassen.


Vorbeugend könnte man sich freilich auch einmal mit der „Drinking Time Machine“ beschäftigen – das ist eine App, die vor unkontrolliertem Alkoholkonsum bewahren soll. Das geht so: Man fertigt mit der Kamera-App ein Bild von sich an und fragt dann ab, wie man denn beispielsweise in  zehn Jahren aussehen würde, wenn man täglich ein Tragerl Bier, eine Kiste Wein oder wahlweise auch einen Eimer Schnaps trinken würde. Die Ergebnisse sollen so schockierend sein, dass man gerne wieder zur Johannisbeerschorle zurück greift.


Übrigens gibt es abseits von Apps und solchem Zeug einfache Regeln: „Alkohol am Steuer – macht dich zum Ungeheuer“. Ist zwar unspektakulär, aber zukunftsfähig.

Autor: Lothar Wandtner