Wochenblatt
05.11.2013 Altötting/Mühldorf

Von wegen Vorbildfunktion!

Bundestagsabgeordneter fährt mit mindestens 170 Sachen durch 80er-Zone und baut Unfall

Mayer Unfall
Foto: fib/DG
Die Wahrheit über den Verkehrsunfall des "CSU-Stimmenkönigs" Stephan Mayer

Eine Insider-Info wirft ein völlig neues Licht auf den schweren Verkehrsunfall, den der heimische CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer verursacht hat.
Am 1. März 2013 hatte Mayer offenbar versucht, im A 94-Tunnel bei Heldenstein ein anderes Auto zu überholen und war diesem dann hinten aufgefahren.
In der so genannten „Nordröhre“ des Tunnels ist auf Tempo 80 beschränkt, Stephan Mayer hatte aber, unseren Informationen zufolge, zwischen 170 und 190 auf dem Tacho, bevor der Zusammenstoß passierte.
Als Beweis für diese extreme Geschwindigkeit dient den Ermittlungsbehörden wohl das Video einer Überwachungskamera in dem Tunnel. Diesen Videobeweis habe der CSU-Abgeordnete anzufechten versucht, weil nach seiner Ansicht die entsprechenden Aufzeichnungen nicht für diesen Zweck aufbewahrt werden dürften.


Warum ist von März bis heute keine entsprechende Reaktion seitens der Justiz erfolgt, etwa in Form einer öffentlichen Gerichtsverhandlung, oder in Form eines Strafbefehls?
Der Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft in Traunstein, Andreas Miller, erklärt dies mit dem Immunitätsschutz des Bundestagsabgeordneten. Die Aufhebung von Mayers Immunität sei zwar nach dem Unfall durch die Staatsanwaltschaft beantragt worden, dieser Antrag habe aber vom sogenannten Immunitätsausschuss des Bundestags vor der Wahl im September nicht mehr behandelt werden können.
Nach der Wiederwahl von Stephan Mayer müsse nun erst ein neuer Ausschuss gebildet werden, der dann über die Aufhebung beraten werde.
„Erst dann kann die Justiz das Verfahren abschließen“, so Miller.


Dass der Ausschuss die Immunität aufhebt, dürfte so gut wie sicher sein, wie das Wochenblatt aus Insiderkreisen erfuhr.
Höchstwahrscheinlich zieht dies für Stephan Mayer einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung nach sich. Die Folgen wären eine Geldauflage abhängig vom Gehalt, sowie der Führerscheinentzug für einen gewissen Zeitraum.


Was sagt Stephan Mayer zu seinem Fehltritt? Wenig: „Das ist ein schwebendes Ermittlungsverfahren, dazu werde ich mich nicht äußern.“

mehr Bilder ansehen
Fotostrecke
mit
5 Bildern



Der Unfall geschah kurz vor Mitternacht. Stephan Mayer kam gerade vom Starkbieranstich der CSU in Marktl und war unterwegs nach München. Entgegen anfänglicher Spekulationen war der 39-Jährige bei der Fahrt nüchtern, wie eine routinemäßige Blutprobe ergeben habe.


Auf der linken Fahrbahnseite krachte Mayer gegen den „Pickup“ eines 20-Jährigen. Mayers 5er BMW wurde im Frontbereich komplett eingedrückt, wie die Fotos eindrucksvoll zeigen. Nach dem Zusammenstoß prallte Mayers Auto noch gegen die rechte Leitplanke und kam auf dem Seitenstreifen zum Stehen.
Sowohl Mayer, als auch der 20-jährige Pickup-Fahrer, wurden bei dem Unfall leicht verletzt und konnten nach wenigen Tagen aus dem Krankenhaus entlassen werden.
Bundestagsabgeordneter Mayer hatte nach dem Unfall zunächst alle Termine gestrichen und galt offiziell als krankgeschrieben.

 

Bis heute wird gerätselt, was die Unfallursache gewesen sein könnte. Die völlig überhöhte Geschwindigkeit bietet eine gute Erklärung dafür ...

Lesen Sie dazu auch einen Kommentar von Redaktionsleiter Mike Schmitzer. Hier klicken!

Autor: Mike Schmitzer

Weitere Nachrichten aus dem selben Ort: