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14.08.2012 Burghausen

Deutliche Worte

Klaus Schultheiß: „Präsident des SVW zu sein, ist ein Knochenjob”


Der 50-jährige Burghauser spricht im Wochenblatt über Last und Lust des ­ersten Mannes im Verein. Das Ehrenamt sollte und darf nicht in den Dreck gezogen werden

Klaus Schultheiß (50) ist ein Mann der Tat und der klaren Worte. Der Burghauser macht aus seinem Herzen keine „Mördergrube”. Schultheiß eckt mitunter an, er polarisiert. Wenn er sich ungerecht behandelt fühlt, kann er auch explodieren. Dabei geht es ihm jedoch nur um eines: das Wohl des SV Wacker Burghausen.

 


Seine Vertrauten und Kenner der Szene zollen ihm wegen seiner akribischen Arbeit hohen Respekt, Gegner schätzen ihn zum Teil gering – so stellt sich die Situation des SV Wacker-Präsidenten dar. Im Hauptberuf führt der 50-Jährige erfolgreich Firmen mit 70 Mitarbeitern. Darüber hinaus ist er seit Jahren in der Burghauser Kommunalpolitik aktiv und er folgte Mitte Dezember 2011 Bürgermeister Hans Steindl als Präsident. Das Wochenblatt sprach mit Klaus Schultheiß (50), wie er den Spagat zwischen beruflicher, sportlicher und familiärer Verantwortung bewältigt.


„Auf Dauer mach’ ich das nicht. Meine Familie erklärt mich für verrückt”, so Klaus Schultheiß auf die Frage, wie lange er Präsident beim SVW sein wird. Dass Schultheiß Steindl als Präsident folgt, war eine logische Konsequenz, auch die Anfrage des Hauptgesellschafters, die ihn natürlich mit Stolz erfüllt habe. Dabei ahnte der 50-Jährige wohl aber schon, was auf ihn zukommt. „Man muss schon eine große Portion an Leidensfähigkeit für das Amt des Präsidenten mitbringen”, so Klaus Schultheiß: Bis zu 20 Stunden pro Woche für den SV Wacker im Einsatz, so stelle sich das Arbeitspensum dar. Zusammen mit seiner „normalen Arbeit” heißt das für Klaus Schultheiß oft einen 14- bis 16 Stunden-Job zu haben.

 

Klaus Schultheiß schlug purer Hass entgegen

 

Das Ganze wird nicht mit einem Cent vergütet, ist rein ehrenamtlich. Mehr noch: Fahrten zu den Auswärtsspielen werden ebenfalls nicht bezahlt und müssen privat abgewickelt werden. Auf der einen Seite keine finanziellen Anreize, auf der anderen hieße es sich Tag für Tag im Umfeld zwischen der Wacker Chemie, der Stadt und dem SV Wacker Sportverein zu bewegen und das Beste für die GmbH zu erzielen. Was Schultheiß besonders bitter aufstößt, ist die Tatsache, dass die Arbeit der Ehrenamtlichen – der Burghauser bezieht das ausdrücklich nicht nur auf seine Person – von einigen so genannten „Fans” in den Dreck getreten wird.

 

Die Situation eskalierte nach dem unrühmlichen Abgang von Trainer Reinhard Stumpf: Von der Presse fühlte sich Schultheiß gelinkt. Was noch tiefere Spuren in der Seele des Präsidenten hinterließ war der pure Hass einiger Unbelehrbarer:
„Mich kann man beschimpfen, aber bei meiner Familie hört der Spaß auf”, so Schultheiß, der kurzzeitig sogar darüber nachdachte, das Handtuch zu werfen. Was Schultheiß antreibt, ist seine tiefe Verbundenheit mit Burghausen und dem SVW: „Mein Herz schlägt für den Verein”, so Schultheiß, der betont, seit über 15 Jahren kein Heimspiel der Wackerianer verpasst zu haben. Außerdem gilt für Klaus Schultheiß das Motto „Aufgeben gilt nicht”. „Man kann doch nicht alles wegschmeißen, was in den letzten 15 Jahren aufgebaut wurde”, so der Präsident, zumal der Verein sich sportlich und auch finanziell positiv entwickelt hat.

Ehrenamtliche stärken und nicht noch in den Dreck ziehen

 

In den letzten Jahren konnte der SVW – einst Sorgenkind beim DFB – seinen Ruf aufpolieren: „Wir haben durch eine solide Arbeit und Planung beim DFB an Vertrauen gewonnen”, so der Finanzexperte. Inzwischen müssen keine Bürgschaften und Sicherungsleistungen in Höhe von 20 Prozent hinterlegt werden. Burghausen würde jetzt zu den Top 3 in der Liga bei der Solidität zählen. Schultheiß’ besonderer Dank gilt in diesem Zusammenhang auch dem Wirtschaftsprüfer des SVW Burghausen Martin Bergmann. Dass der SVW finanziell diesen positiven Schritt vollziehen konnte und trotzdem sportlich erfolgreich sein kann, sei nicht selbstverständlich. „Die Dritte Liga ist finanziell ein Ritt auf der Kanonenkugel”, wie der Präsident klarstellt und die notorische Unterfinanzierung durch zu niedrige Fernsehgelder anprangert. Ohne ein hohes Engagement der Mitarbeiter und nicht zuletzt der Ehrenamtlichen würde gar nichts gehen.

 

Leuchtende Beispiele sich für den Verein einzubringen seien die vielen Helfer, die oft im Schatten stehen. Stellvertretend nennt Klaus Schultheiß Adolf Anslinger, Heinz Kothieringer, Christine Longino, Franz Starka oder aber Walter Lemberger, die den Präsidenten beim Public Viewing unterstützt haben. „Tolle Menschen, bei denen sich der SVW glücklich schätzen kann, sie zu haben”, so Klaus Schultheiß. Ein großes Dankeschön möchte der Präsident auch Gabi Bortner, der „guten Seele aus der Geschäftsstelle”, sagen.

 

Sein größter Wunsch ist, dass alle im Verein an einem Strang ziehen: vom Präsidium, wo die Zusammenarbeit mit Reinhard Frauscher, Wolfgang Schratz bis hin zu Florian Hahn sehr gut funktioniere, bis hin zu vielen Fans. Auch wenn die Ansichten mitunter auseinanderliegen mögen, so gäbe es doch ein gemeinsames Ziel – den SV Wacker Burghausen!

Autor: Michael Kolpe

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