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08.10.2012 Reischach

Es geschah mitten in Reischach

Lkw rast in eine Tankstelle


Tankstellenbetreiber Markus Kain erleichtert: Zum Glück stand kein Kunde an der Zapfsäule!

Am Morgen danach wirkt Tankstellenbesitzer Markus Kain ruhig. Fast als wäre nichts gewesen bedient er in seiner Poststelle. Auch die Kunden sprechen das Unglück nicht an, das die Tankstelle mitten in Reischach am Tag zuvor getroffen hat (wir berichteten).

 

Gegen 17 Uhr donnerte am Sonntag ein 40 Tonnen Sattelzug mit Karacho in die Tankstelle, reißt die Zapfsäule aus dem Fundament, durchschlägt eine Betonmauer und kommt knapp vor einem Wohnhaus zum Stehen.

 

Markus Kain war gerade im Lager: „Es hörte sich an wie Donner – wumm, wumm. Dann war Ruhe und ich bin gleich nach draußen.” Sofort sah er nach dem Fahrer. Der wurde bei dem Unfall schwer verletzt, ist im Krankenhaus. Laut seinem Arbeitgeber, einem Fuhrunternehmer in Eggenfelden, geht es ihm „den Umständen entsprechend”. Der Chef war sofort an die Unfallstelle geeilt.

 

Eine dem Lkw nachfolgende Autofahrerin sagte Markus Kain, der Lkw wäre plötzlich ohne zu Blinken nach links in die Tankstelle gebogen. Ein Nachbar von schräg gegenüber meinte, der Lkw sei nur mit mäßiger Geschwindigkeit unterwegs gewesen. Die Polizei steckt noch in den Ermittlungen.

 

Was die Polizei allerdings schon weiß, ist der Grund für diesen spektakulären Unfall: Der 51-jährige Lkw-Fahrer habe angegeben, er sei wegen eines plötzlichen Hustenanfalls von der Straße abgekommen. Ein Hustenanfall, der an dem Lkw einen rund 250000 Euro teuren Totalschaden und an der Tankstelle einen Schaden von geschätzten 100000 Euro hinterlassen hat.

 

Der Tankstellenbetreiber ist froh, dass dem Fahrer nicht mehr passiert ist. Und vor allem: „Dass im Moment des Unfalls kein Kunde an der Zapfsäule war. Nicht auszudenken, was passiert wäre!” Nachdem er den ersten Schock verdaut hat, hofft er, dass der Schaden von der Versicherung schnell abgewickelt wird.

 

Auf die Anmerkung, dass Reischach knapp einem flammenden Inferno entgangen sei, reagiert er eher belustigt. „Da brennt nichts, wenn eine Zapfsäule umgefahren wird. Der Kraftstoff läuft immer in den unterirdischen Tank zurück, da bleibt höchstens ein kleiner Rest in den Schläuchen.” Keine Flammenhölle wie im Kino? „Nein, das ist alles Kasperltheater.” Auch der Lkw hatte nur ungefährliche Ladung an Bord. Lebensmittel mit einer Ausnahmegenehmigung für eine Sonntagsfahrt bestätigt die Polizei.

 

Ausgerechnet die Dieselzapfsäule hat es erwischt, mit der am meisten Umsatz gemacht wird. „Es kann schon ein paar Wochen dauern bis ich eine neue habe”, spekuliert Kain. Das bedeutet Einbußen, auch wenn die zweite Zapfsäule betriebsbereit ist.

 

Sogar den Briefkasten der Post hat der Lkw abgeschossen. Die eingeworfenen Briefe liegen ölverschmiert auf dem Boden der Tankstelle. Die Adressen sind kaum zu entziffern. Eine ältere Dame von Gegenüber gibt deshalb einen neuen Bestellzettel ab – recht hat sie, der alte ist unleserlich, wandert gleich in den Müll. Ein Problem weniger für Markus Kain.

 

Auch die Nachbarin hat den Unfall wie ein Gewitterdonnern wahrgenommen. „Beinahe hätte ich mich in den Finger gestochen, weil ich gerade einen Pullover genäht habe”, berichtet sie lachend. „Als ich aus dem Fenster schaute, habe ich die Bescherung gesehen.” Sie wohnt direkt an der B 588 und schimpft auf dem Weg in ihr Haus über die unzähligen Lkws, die minütlich durch Reischach donnern.

 

Für Markus Kain heißt es jetzt warten und aufräumen, denn alles hat die Reischacher Feuerwehr noch nicht geschafft.

Autor: Christa Latta

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