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18.06.2012 Winhöring

Sie bemuttert ein Kitz und eine Geiß

Sonja Weisser gibt Rehkitzen ein Zuhause


Seit Jahren ersetzt die Winhöringerin kleinen Rehen die Mutter

Als Sonja Weisser nach ihrem Kurzurlaub wieder nach Hause kam, war etwas Schlimmes geschehen: Die dreijährige Rehgeiß Susi war spurlos verschwunden, wohl weil ihre Ziehmama nicht da war!

 

„Ich habe tagelang nach ihr gesucht, bei Jägern nachgefragt, aber sie war einfach weg”, erzählt die Winhöringern. Sie vermutete, ihre Susi könnte einem Verkehrsunfall zum Opfer gefallen sein. Klar, dass ihr das zu Herzen ging, denn das Reh Susi wurde von ihr – wie schon andere Kitze – mit der Flasche großgezogen. Für sie stand fest: „Nie wieder nehm´ ich ein Rehkitz bei mir auf!”

 

Am selben Tag stand der Jäger vor der Tür. Sonja Weisser dachte, er bringt ihr ein totes Reh zurück. Stattdessen lag im Auto ein wenige Stunden altes Rehkitz. „Wenn es jemand durchbringt, dann du”, sagte der Jäger.

 

Bei diesem Anblick konnte Sonja Weisser einfach nicht anders. Sie nahm das nicht einmal ein Kilo schwere Rehlein bei sich auf. Die Mutter des kleinen Böckchens war am Tag seiner Geburt unter ein Auto geraten.

 

Vier Wochen später gab´s die nächste Überraschung im Hause Weisser: Das spurlos verschwundene Reh Susi stand plötzlich wieder vor dem Garten und hat die Weissers seither auch nicht mehr verlassen. Gerne liegt Susi bei der Familie im Wohnzimmer auf dem Teppich und muss vor dem Schlafengehen oft erst ins Freie befördert werden. Dort lebt die dreijährige Geiß in einer ruhigen Gartenecke und hat als Unterschlupf eine eigene Hütte bekommen.

 

Wie Susi als sie klein war, weicht auch das Hansi getaufte Rehkitz nicht von der Seite seiner Ersatzmama. Auch Sonjas Schwiegermutter Hildegard steht hoch im Kurs, denn zum ersten Mal teilen sich die beiden Frauen die Pflege.

 

„Bei den früheren Kitzen konnte ich praktisch nicht mehr aus dem Haus”, erzählt die Tierfreundin. „Sie waren nur auf mich fixiert.” Sieben Kitze hat sie in den letzten Jahren aufgezogen und erfolgreich ausgewildert.

 

Die drei großen Haushunde nehmen die ungewöhnlichen Mitbewohner geduldig hin, die kleinen Kitze wecken sogar ihren Beschützerinstinkt.

 

Eines bedauert Sonja Weisser sehr: „Beim Mähen der Wiesen werden so viele Kitze getötet!” Dass es auch anders geht, beweisen einige Landwirte in Perach: „Sie rufen vor dem Mähen den Jäger oder mich an. So können wir durch die Wiesen gehen und die Kitze vor dem Mähwerk retten.”

Autor: Christa Latta

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