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04.09.2012 Töging

Besorgter Bürger sucht die Ursache

Regnet es in Töging giftigen Ruß?


Regen macht in Töging nicht nur die Erde nass. Er lässt auch unerklärliche Schmutzpartikel zurück

Als der Töginger Johann Utz nach einem Gewitterregen am 23. Juni vor sein Haus trat, waren Vorplatz und Straße mit kleinen, schwarzen Krümeln übersäht. Nach einem weiteren Gewitter einige Zeit danach, stellte Johann Utz wieder diese Krümel fest, auch bei Nachbarn. Und sogar in Mühldorf fielen sie ihm ins Auge, als er dort Bekannte besuchte.

 

Der Töginger hat sich besorgt an das Landratsamt gewandt. Könnte ja sein, dass es sich bei den Bröckerln um etwas Gesundheitsgefährdendes handelt.

 

Der Abfallberater des Landkreises war vor Ort und sammelte Proben. Deren Untersuchung ergab (laut Landratsamt): „Die Partikel bestehen zu 95 Prozent aus organischen Verbindungen. Außerdem konnten Spuren von Silicium und Aluminium im natürlichen Hintergrundbereich nachgewiesen werden. Alle anderen Elemente befinden sich unterhalb des Nachweisbereichs. Aufgrund der Zusammensetzung der Partikel und der festgestellten Windrichtung ist eine Verursachung durch eine in der Nähe angesiedelte Firma auszuschließen.” Das Landratsamt gibt Entwarnung: „Schädliche Umwelteinwirkungen im Sinne des Immissionsschutzgesetzes (BImSchG), mithin Immissionen, die nach Art, Ausmaß oder Dauer geeignet sind, Gefahren, erhebliche Nachteile oder erhebliche Belästigungen herbeizuführen, sind vorliegend nicht gegeben.”

 

Nachdem die Untersuchung ausgeschlossen hat, dass es sich um industrielle Verbrennungsrückstände handelt, geht Johann Utz davon aus, dass in der Umgebung eine Holzheizung ihre Hackschnitzel oder Pellets nicht vollständig verbrennt. „Bei unvollständiger Verbrennung besteht Gefahr von Dioxinbildung”, so Johann Utz besorgt. „Der Verursacher sollte schnell gefunden werden. Ich dachte bisher, dies sei Sache des Landratsamtes.” Das Landratsamt habe ihm zu einer Anzeige gegen Unbekannt geraten. Dazu das Landratsamt: „Nach Rückfragen bei der Stadt Töging sowie beim örtlich zuständigen Bezirkskaminkehrermeister konnten die Partikel nicht zugeordnet werden. Auch nicht zu im Nahbereich betriebenen Heizungsanlagen.” Beim Landratsamt wurden auch keine weiteren ähnlichen Funde gemeldet.

 

Utz hat sich an das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) gewandt. Von dort er bekam er zur Antwort: „Aufgrund Ihrer Ausführungen, der mitgeschickten Fotos sowie nach Rücksprache mit den Kollegen von der Luftreinhaltung und dem Landratsamt Altötting nehmen wir an, dass die Partikel eine harmlose Ursache haben: In Fugen zwischen Dachziegeln und Pflastersteinen bilden sich im Laufe der Zeit Algen, Moose, Flechten und Unkräuter. Bei trockenheißer Witterung schrumpft diese Schicht stark zusammen und verbäckt. Daher entsteht die schwarze Färbung, was wie Rußpartikel aussehen kann. Treten dann Starkregenereignisse auf, wie es bei Gewitter häufig vorkommt, werden Teile dieser Fugenmasse ausgetragen. Der größte Teil der Partikel wird weggespült, einige Partikel bleiben aber auf den Pflastersteinen liegen. Die Ergebnisse der Analyse bestätigen diese Annahme. Die organischen Verbindungen stammen aus dem pflanzlichen Material und dem Schmutz, Silizium aus den Bodenpartikeln.”

 

Das LfU rät: „Sie können den Entstehungsprozess der Partikel nachstellen, indem Sie einen Wasserstrahl (Gartenschlauch) auf eine verwitterte Pflasterfuge richten.” Fazit: „Wir sehen derzeit keinen Handlungsbedarf. Die Partikel lassen keinen Zusammenhang zu einem Industriebetrieb oder einer Hackschnitzelheizung erkennen.”

 

Für Johann Utz geht diese Erklärung an der Realität vorbei: „Wenn man die Teilchen zwischen den Fingern zerreibt, hat man rußige Finger. Die Fugen der Pflasterungen sind nicht vermoost oder veralgt. Sie sind erst vor wenigen Jahren verlegt worden.” Er gibt sich damit nicht zufrieden und wird dem LfU nun eine Probe schicken.

 

Liebe Leser, falls Sie eine Ahnung haben, woher die Krümel stammen können, rufen Sie uns an, Tel. (08677) 963-145, oder schreiben Sie eine E-Mail an christa.latta@wochenblatt.de.

Autor: Christa Latta

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