Die Wochenblatt App
28.02.2012 Landkreis Altötting

Dazu sagte der Autobumser kein Wort

Mordauftrag aus dem Knast heraus?


Kein Wort zu angeblichem Mordauftrag. Autobumser sagte nur zu Waffen aus

Kein Wort zum Anklagekomplex „versuchte Anstiftung zum Mord“ an einem früheren Mittäter und Kronzeugen sagte der 50-jährige „Autobumser“ Horst D. aus Heldenstein in seinem neuen Prozess in Traunstein.

 

Vor dem Schwurgericht mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs äußerte sich der im März 2011 wegen Versicherungsbetrugs durch getürkte Verkehrsunfälle zu viereinhalb Jahren Haft verurteilte Kaufmann, Gastwirt, Autosammler, Hobbyschütze und Jäger am Dienstag lediglich zu zwei Anklagebereichen. Das breit erörterte Thema „Waffen“ spielte er insgesamt herunter. Die Sache mit dem angeblichen Mordauftrag aus dem Gefängnis heraus nahm weniger Zeit in Anspruch. Ein Beweisstück - ein Aktenvermerk von D.’s Ex-Verteidiger Friedrich B. mit der Anweisung des Angeklagten, ein Mann solle den Kronzeugen „für 10 000 Euro verramma“ - wurde auf Antrag des aktuellen Verteidigers Dr. Herbert Buchner zunächst nicht verlesen. Der 61-jährige B. aus Traunstein, inzwischen „ohne Beruf“ durch Rückgabe der Anwaltszulassung, berief sich im Zeugenstand auf sein Aussageverweigerungsrecht. Der Prozess geht am 5., 8. und 13. März, jeweils um 9 Uhr, weiter.

 

Der 50-Jährige gab sich nahezu unschuldig und häufig unwissend, aber als „Sachverständiger“ für Waffen aller Art. Verteidiger Dr. Herbert Buchner aus Traunstein ergänzte manches sichtlich fachkundig. Der Angeklagte belehrte das Gericht wie Staatsanwalt Dr. Martin Freudling über Karabiner, Gewehre, Pistolen, Revolver, über Waffensysteme, Schäfte, zugeschweißte Läufe, Schiebeteile, Verschlüsse, den Unterschied zwischen einem Gewehr 98 und einem Karabiner K 98, die Kennzeichen eines „Derringers“, einer „Uzi“, einer „Deko-Uzi“ und „Mini-Uzi“. Er trennte in legale, illegale und „quasi illegale“ Waffen. Ein Sturmgewehr bezeichnete er als „schöne alte Waffe in Dekozustand“. „Was ein Schweizer Karabiner sein soll - das weiß ich gar nicht. Eine Selbstladeflinte habe ich nicht illegal besessen, sondern aus einem Nachlass abgeholt und an einen Jäger vermittelt“, ließ er sich zu einem weiteren Vorwurf ein. Ein „Gewehr Kaliber 22“ sei ein Geburtstagsgeschenk, lediglich eine Dekorationswaffe, ein „Wildererbüchsl“ gewesen.

 

An anderer Stelle meinte er: „Herr Richter, eine Pistole S.A.C.M. habe ich nie gehabt oder weitergegeben.“ Der Vorsitzende verwies auf eine entsprechende Zeugenaussage. Die Reaktion des 50-Jährigen, warum ihn der Zeuge derart belasten sollte: „Herr Richter, ich kann mir keinen Reim drauf machen.“ Seine Geständnisse zu Einzeltaten in früheren Vernehmungen wertete er so: „Ich habe mich geirrt. Das ist unrichtig.“ Der Schwurgerichtsvorsitzende hakte nach: „Das ist schwer nachvollziehbar.“ Die Reaktion des Waffennarren: „Ich weiß nicht, warum ich mich belastet habe.“ Er beteuerte auch, nie Schuldnern hinterher, in ein Grundstück oder in den Wald geschossen zu haben.

 

Nur wenige Punkte der Anklage räumte der Waffennarr als „richtig“ ein. So gestand er, einem der ebenfalls schon verurteilten „Autobumser“ Waffen gegeben zu haben - eben jenem 39-jährigen Mann, der später zum „Kronzeugen“ in Sachen Versicherungsbetrug wurde und dem der vom Staatsanwalt angeklagte Mordauftrag gegolten haben soll. Diese Waffen konnten übrigens - im Gegensatz zu einigen anderen - von den Ermittlern sichergestellt werden. Die in seinem roten Porsche Ende 2009 gefundene MP Uzi sowie die Selbstladekurzwaffe GSG 5 waren angeblich wiederum „Dekowaffen“. Das Bundeskriminalamt hatte dies anders gesehen - wegen der voll funktionsfähigen Griffstücke dieser Kriegswaffen. Laut Waffengesetz unterlagen die Griffstücke nach 2008 einem waffenrechtlichen Verbot. Patronen verschiedener Kaliber, in seinem Gasthaus im Oktober 2010 auf dem Dachboden entdeckt, waren dem Angeklagten „völlig fremd“. Dazu könne er „gar nichts sagen“.

 

Mit einer Brandstiftung, bei der im August 2004 der Pkw von einem seiner Mieter in Flammen aufging, wollte er „gar nichts zu tun“ gehabt haben. Zwei Zeugen hatten der Polizei jedoch berichtet, der 50-Jährige habe sie selbst über seine Tat informiert. Dazu der Vorsitzende Richter: „Neigen Sie dazu, großspurige Geschichten zu erzählen, die nicht wahr sind?“ Das verneinte der Gastwirt.

 

Die Zahl der strafrechtlich Verfolgten im Gesamtkomplex der zwischen 2006 und 2009 im Raum Mühldorf/Altötting aktiven „Autobumserbande“ liegt bei mehreren Dutzend - „Mitmacher“ wie zum Beispiel Autoeigner eingeschlossen. Mehrere Kfz-Versicherungen wurden um mindestens knapp 400.000 Euro betrogen. Der harte Kern der Bande bestand mutmaßlich aus fünf Männern. Vier Täter, darunter der jetzt erneut angeklagte Gastwirt, wurden letztes Jahr rechtskräftig zu Freiheitsstrafen, davon nur die des „Kronzeugen“ mit Bewährung, verurteilt. Ein fünfter Haupttatverdächtiger beging vor rund zwei Jahren Selbstmord. Eine große Zahl von „Mitmachern“ hat bereits eine Strafe erhalten, davon viele auf dem Strafbefehlsweg, und akzeptiert.

 

Weitere Strafprozesse stehen noch bevor, darunter ein großes Betrugsverfahren mit mutmaßlichem Millionenschaden. Das bestätigte Andreas Miller, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Traunstein, auf Anfrage.

Autor: kd

Weitere Nachrichten aus dem selben Ort: