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27.07.2012 Gendorf

Nach dem Chemie-Unfall

Die Alz soll wieder lebendig werden

Tote Fische Alz
Foto: Landratsamt AOE
Eine Million Euro von der InfraServ. Es sind schon wieder einige Fischarten zu finden

Nach dem Chemie-Unfall im Werk Gendorf Anfang März, bei dem tausende Fische in der Alz qualvoll verendeten (wir berichteten mehrfach), legt die InfraServ Gendorf nun eine Ideensammlung zur Renaturierung der Alz vor.

 

Bei einem gemeinsamen Treffen im Wasserwirtschaftsamt Traunstein mit Vertretern des Wasserwirtschaftsamts, des Landratsamts Altötting und der Regierung von Oberbayern hat InfraServ Gendorf, Dienstleister und Standortbetreiber des Industrieparks Werk GENDORF, konkrete Renaturierungsmaßnahmen vorgestellt, mit denen ein Beitrag für die rasche Wiederherstellung der Fischfauna und die langfristige Stärkung des Ökosystems der Alz geleistet werden kann. Darüber hinaus präsentierte der Sachverständige Dr. Kurt Seifert vom Büro für Naturschutz-, Gewässer- und Fischereifragen (BNGF) aktuelle Monitoringergebnisse zum Zustand der Alz.

 

„Wir übernehmen Verantwortung und wollen über den zügigen Ausgleich des entstandenen Schadens hinaus freiwillig zusätzliche Maßnahmen unterstützen, mit denen die Renaturierung der Alz beschleunigt wird“, so Dr. Bernhard Langhammer, Geschäftsleiter der InfraServ Gendorf. „Für die freiwilligen Renaturierungsmaßnahmen stellt InfraServ einen finanziellen Betrag von einer Million Euro und zusätzlich eigene Grundstücke an der Alz zur Verfügung“, so Langhammer weiter. Auf diese Weise können die Maßnahmen ohne langwierigen Grundstückserwerb zeitnah realisiert werden. Zusätzlich ist eine Beteiligung von weiteren Unternehmen des Industrieparks in Aussicht gestellt.

 

Der vorgestellte Maßnahmenkatalog wurde in Zusammenarbeit mit den Fischereiberechtigten und dem von InfraServ beigezogenen Fischereisachverständigen Dr. Seifert aus dem Gewässerentwicklungskonzept des Wasserwirtschaftsamtes entwickelt. Neben Besatzmaßnahmen mit heimischer Fischpopulationen, der Schaffung von Fischaufstiegsanlagen, Flussbettstrukturierungen, Brut- und Jungfischhabitaten sowie der Ausbildung eines Altarms und von Nebengerinnen präsentierte InfraServ auch Möglichkeiten des Rückbaus der Uferverbauung im Bereich des Industrieparks Werk GENDORF und in anderen geeigneten Bereichen, um Schutz und Lebensraum sowie Rückzugsgebiete für Fische zu schaffen.

 

„Wir begrüßen die Vorschläge seitens InfraServ Gendorf und erwarten nun in enger Abstimmung mit der Wasserwirtschaftsverwaltung sowie dem Landratsamt Altötting bis Oktober die Ausarbeitung der Renaturierungsmaßnahmen zu einem konkreten Konzept für eine zügige Umsetzung“, so Siegfried Sappl vom Sachgebiet Wasserwirtschaft der Regierung von Oberbayern. Im Herbst sollen die Ergebnisse wieder in einem Runden Tisch vorgestellt und das weitere Vorgehen durch die Behörden festgelegt werden.

 

Positiv werteten die Gesprächsteilnehmer die Tatsache, dass mit Ausnahme der Mühlkoppe alle im Vorjahr vorhandenen Fischarten in der Alz wieder aufzufinden waren. Beim Makrozoobenthos bestätigte Seifert in seinem Gutachten seine positive Ersteinschätzung. „Die aktuellen Monitoringergebnisse des Sachverständigen zeigen, dass sich die Alz trotz des großen Schadens an der Fischfauna wieder regenerieren kann. Wir sind sicher, diesen Prozess durch gezielte Renaturierungsmaßnahmen unterstützen zu können, damit die Alz den guten Vorzustand wieder erreicht“, sagt Günter Hopf, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein.

Autor: Christa Latta

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