Wochenblatt
27.01.2016

Asylproblem

Eltern fordern: Asylbewerber soll kein Praktikum in Kindergarten machen dürfen

Kindergarten Peter und Paul, Winhöring
Foto: Holzinger
Wirbel in Winhöring um einen Praktikanten aus Eritrea. Ein Elternpaar wollte ihn nicht im Kindergarten haben

Ein junger Asylbewerber aus Eritrea hat in einem Winhöringer Kindergarten eine heftige Reaktion eines Elternpaares ausgelöst, obwohl er sich nichts zuschulden kommen hat lassen - ganz im Gegenteil.


Der junge Mann trat am Montag letzter Woche im Kindergarten St. Peter und Paul sein dreimonatiges Praktikum als Kindergärtner an. Es sollte ein positives Beispiel von Flüchtlingsintegration werden.


Allerdings gab es schon im Vorfeld bei einigen Eltern Bedenken, die jedoch im Laufe der Woche ausgeräumt werden konnten. Lediglich ein Elternpaar spreizte sich vehement gegen die Betreuung ihres Kindes durch den Afrikaner.


Laut Winhörings Bürgermeister Hans Daferner sind die Mitarbeiter des Kindergartens mit dem jungen Asylbewerber hochzufrieden. Er besäße zwar keine Papiere, aber es sei deutlich zu spüren, dass der Afrikaner schon mit Kindern gearbeitet habe. Er selbst soll angegeben haben, in seiner Heimat eine Ausbildung zum Kindererzieher absolviert zu haben.


„Er ist jetzt fünf Tage da und ist bei den Eltern und den Kindern sehr beliebt. Und er selbst ist auch glücklich“, so Daferner. Dies wurde dem Wochenblatt auch von Eltern so bestätigt. Dennoch war das eine Elternpaar (von etwa zwanzig Eltern, die dort ihre Kinder haben), zunächst nicht bereit, dem jungen Asylbewerber eine Chance zu geben. Am Freitag fand deshalb eine Art Krisengespräch statt, bei dem unter anderem das entsprechende Elternpaar zugegen war, die Kindergartenleitung und Bürgermeister Daferner.
„Wir haben versucht, dem Elternpaar die Ängste zu nehmen“, erklärt Daferner.
Dazu gehörte die Versicherung, dass der Afrikaner nie mit einer Kindergruppe alleingelassen werde.
„Das ist aber eine ganz selbstverständliche Regel, die nichts mit der Herkunft des Praktikanten zu tun hat“, erklärt der Bürgermeister. „Das wird mit allen Praktikanten so gehandhabt.“


Mit dieser Aussage ließen sich die Eltern besänftigen und nun haben die Kindergartenverantwortlichen und der Bürgermeister die Hoffnung, dass die so wichtige Integration ohne weitere Probleme stattfinden kann.

 

Der Kommentar zur Geschichte

von Mike Schmitzer

Jeder Mensch hat eine Chance verdient

Ja, auch ich bin der Meinung, dass wir eine Begrenzung der Flüchtlingszahlen brauchen. Ja, auch ich bin verärgert wegen der Übergriffe von Asylbewerbern auf Frauen. Und: Ja, auch ich mache mir Gedanken, wohin das alles noch führen wird.
Nicht weniger Sorgen bereiten mir aber die aufgeheizte Stimmung in unserem Land und die Pauschalverurteilungen aller Asylbewerber.
Es kann doch keiner ernsthaft glauben, dass sämtliche Asylbewerber, vom Kind bis zum Greis, Böses im Schilde führen?
Es gibt, wie auch unter uns Deutschen, solche und solche.
Wie will man aber herausfinden, ob ein Mensch ein Tunichtgut ist, oder das Zeug dazu hat, ein wertvolles Mitglied unserer Gemeinschaft zu werden?
Richtig: Man muss ihm die Möglichkeit geben, sich zu beweisen. Diese Chance hat auch der junge Mann aus Eritrea verdient, der sich wünscht, als Kindergärtner zu arbeiten.
Die Kinder lieben ihn, wie man hört, und die Eltern haben ganz schnell ihre Vorurteile beiseitegelegt. Bis auf ein Elternpaar und das hat sich letztlich auch beruhigen lassen - zum Glück. Unsere einzige Chance, aus der Asylkrise etwas Positives zu machen, ist die Menschen, die ein Bleiberecht haben, möglichst schnell und gut zu integrieren. Und der Winhöringer Fall ist gelebte Integration.

Mike Schmitzer

Autor: Mike Schmitzer