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22.05.2012 Burghausen

Exklusiv im Wochenblatt

Das erste Interview mit dem neuen SVW-Coach Donkov


Donkov: "SVW-Kader steht zu 85 Prozent"

Herr Donkov, erst einmal Gratulation zu Ihrer Beförderung zum Cheftrainer. Wann und wie haben Sie erfahren, dass Sie neuer Cheftrainer beim SV Wacker Burghausen werden?
Vielen Dank. Am Samstagabend, 5. Mai, wurde ich vom Vorstand angerufen. Man hat mir erzählt, dass Reinhard Stumpf nicht weitermachen wird und man an mir als Nachfolger interessiert sei.

Und Sie haben zugesagt.

Wir haben uns am Samstag noch getroffen, und wir haben über eine Zusammenarbeit sowie ein gemeinsames Konzept gesprochen.
Auf der Pressekonferenz meinte Florian Hahn, dass Sie um drei Stunden Bedenkzeit gebeten haben. Warum?
Ich habe meine Bedingungen und Vorstellungen und wollte erst sicherstellen, dass diese geklärt sind.


Was sind das für Vorstellungen?
Das sind Interna, die möchte ich nicht preisgeben. Es geht um sportliche Dinge und vor allem um den Umgang und die Zusammenarbeit im Verein.


Aber bei dem Essen mit dem Vorstand und Herrn Stumpf waren Sie nicht dabei?
Nein, ich wurde danach angerufen.


Haben Sie geahnt, dass Reinhard Stumpf den Verein verlassen wird?
Nein, ich bin davon ausgegangen, dass er bleibt. Ich habe mich darauf eingestellt, dass ich auch nächstes Jahr sein Assistent sein werde.


Sie wirken sehr treu. Nun kam es ja anders und Sie sind der neue Cheftrainer. Haben Sie danach noch einmal mit Reinhard Stumpf gesprochen?
Am nächsten Morgen hatten wir Training und da haben wir kurz gesprochen. Aber es ging da um keine genauen Details. Der Verein hat so entschieden und das ist für ihn in Ordnung.


Aber eigentlich sollten Sie doch schon im Winter Trainer werden.
Ja, das stimmt. Der Vorstand hat mich nach dem Abgang von Rudi Bommer angesprochen aber es hat dann wegen der fehlenden Trainerlizenz nicht geklappt.


Was war damals genau los mit dieser Trainerlizenz?
Es hat sich einfach alles geändert. Früher durfte man seine Lizenz während eines Arbeitsverhältnisses parallel machen. Das hat sich geändert – heute muss man praktisch mit einer Lizenz unterschreiben.


Sie machen eine Sonderlizenz für verdiente Nationalspieler in Bulgarien. Ist da jetzt alles geklärt?
Ja, ich muss noch eine Woche zur Europameisterschaft zu einem Lehrgang. Danach habe ich noch eine letzte Prüfung.

Vielleicht kommen wir einmal zu der sportlichen Ausrichtung. Es gibt ja einige Fragezeichen hinter einigen Spielern. Es laufen ja mehrere Verträge aus.

Wir hatten keine hundertprozentige Planungssicherheit, weil die DFB-Pokal-Qualifikation noch nicht sicher war. Da sie das jetzt ist, steht auch das komplette Budget. Nun können wir gemeinsam die abschließende Kaderplanung angehen.


Bleibt Youssef Mokhtari?
Ich hoffe, dass sich da in den nächsten Tagen etwas tut. Eigentlich gehe ich davon aus, dass er seinen Vertrag in den nächsten Tagen verlängern wird.


Wie sieht es mit Darlington Omodiagbe aus?
Der Spieler weiß Bescheid, dass wir gerne mit ihm verlängern wollen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er bei uns bleiben wird.

 

Der letzte Spieler ohne Vertrag ist Christian Brucia.
Ich habe Christian Brucia mitgeteilt, dass sein Vertrag nicht verlängert wird. Wir wollen etwas Neues aufbauen und brauchen dazu auch neue Spieler.


Das heißt, dass es nicht bei den drei Neuverpflichtungen bleiben wird.
Wir machen keine Schnellschüsse. Ich verpflichte keinen Spieler, nur damit am nächsten Tag wieder etwas in der Zeitung steht. Wenn uns ein Spieler weiterbringt, dann schlagen wir zu. Ich würde sagen, dass der Kader zu 85 Prozent steht.


Mit den Führungsspielern haben Sie ja bereits verlängern können. Wie wichtig ist das?
Gerade die Achse mit Christoph Burkhard, Alexander Eberlein und Youssef Mokhtari ist mir sehr wichtig. Mit den ersten beiden haben wir das geschafft – bei Youssef schauen wir bald.


Kann man sagen, dass die Verlängerung mit Alexander Eberlein eng mit Ihrem Namen verbunden ist?
Ich würde nicht sagen, dass er wegen mir verlängert hat. Aber ich habe immer gesagt, dass er wichtig für die Mannschaft ist, und dass ich hinter ihm stehe. Das weiß er auch.


Wie sieht denn die sportliche Ausrichtung unter Georgi Donkov aus?
Mir war zunächst wichtig, dass die Leistungsträger gehalten werden können. Das habe ich immer gesagt. Ansonsten werde ich meine Ziele vorsichtig formulieren. Die Mannschaft soll sich erst einmal finden und dann müssen wir die Mannschaft fit bekommen und gesund halten.


Aber ein sportliches Ziel muss es doch geben.
Wir wollen Punkte sammeln und vermeiden, dass wir gegen den Abstieg spielen. Wenn wir das erreichen, dann können wir in kleinen Schritten nach oben schauen. Aber ich kenne die Dritte Liga gut und weiß, wie schwer das wird.

Jetzt sind wir neugierig. Was sind das für Erfahrungen?
Naja, nehmen wir das Beispiel Sandhausen. Vor einem Jahr haben 20 Trainer Sandhausen als Aufstiegsfavoriten gesehen – am Ende haben sie knapp den Abstieg vermieden. Das Jahr darauf sind sie mit fast der gleichen Mannschaft aufgestiegen. Das sagt alles.


Erfahrung haben Sie auch viel. Sie waren ja an der Seite von vielen namhaften Trainern. Geht Georgi Donkov auch seinen eigenen Weg, wie Reinhard Stumpf das mal formulierte, oder schaut man sich doch etwas ab?
Ich habe gute Dinge gesehen und schlechte. Daraus versucht man immer das Beste für sich herauszufiltern. Grundsätzlich lernt man nie aus und speichert die guten Dinge ab. Dann versucht man sie selbst zu übernehmen.


Das klingt nach der „neuen Trainergeneration".
Ein bisschen, man lernt nicht aus. Viele Wege führen nach Rom. Ich muss sehen, was ich in der Mannschaft habe und mich daran orientieren. Dann muss man eine Philosophie erarbeiten und am Platz vorgeben.

Vielleicht grasen wir zum Schluss noch ein paar Personalien ab. Wird sich denn am Kapitänsamt etwas ändern?
Das habe ich noch nicht entschieden. Aktuell denke ich auch nicht viel darüber nach. Erstmal stehen andere Dinge auf dem Plan. Aber ich könnte mir vorstellen, dass alles so bleibt, wie es ist.


Jetzt darf sich der ehemalige Co-Trainer Donkov selbst einen Assistenten aussuchen. Gerüchte sagen, dass Ronald Schmidt ein heißer Kandidat dafür ist.
Natürlich ist Ronald ein Thema für mich. Das hat aber auch Vor- und Nachteile.

Er würde dann als Spieler aufhören.
Genau. Das ist der Nachteil. Ronald ist ein Spieler mit Vorbildfunktion. Er ist immer im Training und geht mit gutem Beispiel voran. Auch auf dem Platz wäre er wichtig für uns. Mir würde ein Spieler fehlen, wenn er mein Assistent wäre. Deshalb muss ich mir das aktuell noch überlegen.


Haben Sie Angst, dass er vielleicht zu nah an der Mannschaft dran ist. Er ist aktuell ja ein Teil von ihr.
Das wäre sicher nicht leicht für ihn. Aber das ist nicht der Hauptgrund. Mir geht es darum, dass ich ihn als Spieler gebrauchen könnte. Ein Jahr kann er locker noch auf hohem Niveau spielen.


Aber Sie hatten bereits Gespräche mit anderen Kandidaten.
Ja, mit einem. Bernd Eigner. Ich habe mit ihm bei Paderborn und Braunschweig gespielt. Er wäre ideal gewesen, hat aus beruflichen Gründen abgesagt.


Interview: Joachim & Ulrich Hebel

Autor: jh

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