07.08.2017 "Garching a.d. Alz"

Unfalldrama

Der Schock sitzt tief: Garching trauert um die 15-jährige Sarah

Gedenkstätte
Foto: Schmitzer
Die Menschen in Garching/Alz (LK Altötting) sind tief betroffen von dem schicksalhaften Unfalltod der 15-jährigen Sarah. Auch drei Tage danach befindet sich die Gemeinde im Schockzustand.

„Sarah Liebes ... Gott, warum?“ Diesen erschütternden Satz hat der Vater der getöten 15-Jährigen auf seiner Facebookseite geschrieben. Darunter ein Foto seiner bildhübschen Tochter in einem festlichen Kleid.


Die Frage nach dem Warum stellten am Abend nach dem tragischen Unglück auch viele Freunde der 15-Jährigen. Sie hatten sich an der Alz versammelt, an dem Ort, an dem das Mädchen so unerwartet und brutal aus dem Leben gerissen wurde. Sie standen da - stundenlang, weinten, tauschten schöne Erinnerungen an Sarah aus.


Unzählige Kerzen brannten in der Dunkelheit an der kleinen Erinnerungsstätte, die von den trauernden Teenagern hergerichtet worden war. Ein T-Shirt erinnert an das Lieblingshobby der Garchingerin: den Karatesport.


Antworten? Es gibt keine Antwort darauf, warum ein liebes Mädchen so brutal aus dem Leben gerissen wurde. Es ist eine schreckliche Tragödie, und der Schock sitzt in der 8.500-Seelen-Gemeinde Garching auch Tage nach dem Unglück noch tief.


„Es hätte jeden von uns treffen können“, erzählt eine Gleichaltrige unter Tränen. Viele Teenager genießen die Sommerabende an der Alz und die Unglücksstelle war ein besonders beliebter Platz. Es wird nach dem Tod von Sarah nie wieder so sein wie zuvor.
Ist es für die Freunde des Opfers schon schlimm, so muss der Schmerz für die Familienmitglieder unerträglich groß sein. Jede Mutter, jeder Vater, jede Schwester und jeder Bruder, kann diesen Schmerz nachempfinden.


Sarahs Schwester hat ihre Trauer auf ihrer Facebookseite in Worte gegossen:
„Meine Sarah. Wie kann dir so tollen Person so etwas Schreckliches passieren. Ich hatte jede einzelne Sekunde Angst um dich, bis ich erfahren habe, dass du es nicht geschafft hast ... ich vermisse die Streitigkeiten zwischen uns. Oder das ich beim Einschlafen gegenüber Musik, skypen, reden, singen durch die Wand gehört habe. Jetzt sitz ich in einem stillen Zimmer und höre nichts, nur den Regen von draußen. Ich brauche deine Geräusche zum Einschlafen ... Ich werde jede einzelne verbrachte Sekunde mit dir nie im Leben vergessen ...

Sie schließt mit den Worten: „Ich liebe dich über alles.“

Wie online berichtet, war die 15-Jährige am Alzufer von einem Auto erdrückt worden. Ein 16-jähriger Freund wurde dabei schwer verletzt, er befindet sich aber glücklicherweise außer Lebensgefahr.


Der Fahrer des Autos, ein 27-jähriger Garchinger, hatte am späten Freitagabend verbotenerweise den Kiesweg befahren, der am Garchinger Freibad entlang zur Alz führt. An der Hangkante zum Flussufer beschreibt der Weg eine starke Rechtskurve. Hier ist der 27-Jährige geradeaus weitergefahren. Das Auto flog über die Kante und begrub beim Aufprall die beiden Teenager unter sich. Drei weitere Jugendliche, die sich in diesem Moment ebenfalls dort aufhielten, blieben unverletzt, erlitten aber einen schweren Schock. Der Fahrer des Unfallautos und die vier Mitfahrerinnen wurden nur leicht verletzt.

Weg
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Warum ist der 27-Jährige hier einfach geradeaus gefahren? Gutachten sollen Licht ins Dunkel bringen.

Was zu dem Unfalldrama geführt hat, konnte die Polizei auch am Montag noch nicht sagen. Ob der 27-Jährige zum Unfallzeitpunkt Herr seiner Sinne war, wird das Ergebnis der Blutprobe zeigen. Unfallanalytische Gutachten sollen in den nächsten Tagen und Wochen mehr Licht ins Dunkel bringen.


Die Mutmaßungen und Anschuldigungen gegen den 27-jährigen Todesfahrer haben ihn dazu veranlasst, seine Facebookseite zu löschen.

In einer überregionalen Boulevardzeitung wurden inzwischen auch Nahaufnahmen der blutbefleckten Steine an dem Unfallort veröffentlicht. Es ist ein junger Mensch gestorben, und der Respekt gegenüber den Hinterbliebenen sollte so etwas eigentlich verbieten. Genauso wie das Treiben der Schaulustigen, welche die Arbeit der Rettungskräfte vom anderen Alzufer aus mit Smartphones gefilmt und fotografiert haben.

Die Rettungskräfte haben bei dem Einsatz in dem schwierigen Gelände Großartiges geleistet und der Tod von Sarah ist an keinem der Helfer spurlos vorübergegangen.


Die Angehörigen von Sarah erfahren in diesen schweren Stunden eine große Anteilnahme. Der Facebookkommentar eines Freundes bringt es auf den Punkt: „Es gibt keine Worte, die dieses Unglück, diesen Schicksalsschlag schönreden könnten (...) Ich hoffe und wünsche euch, dass ihr die Kraft haben werdet das hier zu überstehen. Wenn auch die Bilder verblassen, in eurem Herzen wird sie immer strahlen.“

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Autor: Mike Schmitzer

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