wahlen
03.07.2012 Traunstein

Versicherungen um 835.000 Euro betrogen

Mildes Urteil gegen Autobumser aus dem Landkreis Altötting


Vier Männer und eine Frau wegen Versicherungsbetrug vor Gericht verurteilt

Gegen drei Angeklagte verhängte das Gericht Freiheitsstrafen die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Lediglich Karl-Heinz W. (58, Bild) muss als Kopf der Bande für fünf Jahre ins Gefängnis.

Es war den mehr oder weniger umfassenden Geständnissen der vier Angeklagten geschuldet, dass die zweite Staffel der Prozesse gegen die Altöttinger Autobumser an nur einem Tag erledigt war und mit relativ milden Urteilen endete. 35 fingierte Unfälle oder Schadensmeldungen hatte die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage aufgelistet. Insgesamt soll die Autobumserbande dabei rund 835.000 Euro erbeutet haben. Wie der Sachbearbeiter des Falles von der Kripo in Mühldorf vor Gericht berichtete, waren die Ermittler zunächst in einem weitaus größeren Umfang tätig gewesen.

Rund 100 Fälle hatte die Polizei im Visier, aber weil eine lückenlose Beweisführung nicht immer möglich war und ein Teil der bis ins Jahr 1999 zurück reichenden Taten bereits verjährt war, hatte die Staatsanwaltschaft nur rund ein Drittel der Fälle in ihrer Anklageschrift aufgelistet. Da gab es Zusammenstöße, die nicht auf der Straße stattgefunden hatten, sondern in einer Kiesgrube oder Werkhalle inszeniert wurden. Da gab es Wildunfälle, die nie stattgefunden hatten, sondern frei erfunden waren. Da gab es Bagatellschäden, die so "nachgebessert" wurden, dass die Versicherungen ordentlich blechen mussten. Es gab Schäden, die den Versicherungen mehrfach gemeldet wurden und Reparaturen die niemals ausgeführt worden waren.

Ausgedacht hatte sich das der Versicherungsvetreter Karl-Heinz W. (59) aus Töging, der schon in der ersten Staffel der Autobumserprozesse zu einer Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt worden war.
Er räumte die Beteiligung an einem Großteil der angeklagten Fälle ein, bezeichnete sich selbst als den Kopf der Bande. Zum so genannten harten Kern gehörten aber auch sein Cousin, der Bademeister Erich H. (57) aus Neumarkt St.Veit und der Bautechniker und Lehrer Horst H. (39) aus Tüßling. Dessen berufliche Existenz wurde durch die Autobumsereien zerstört. Nachdem ihn die Polizei in Handschellen aus der Schule abgeführt hatte, verlor er postwendend seinen Job.

Lediglich als Helferin stufte das Gericht dagegen die Lebensgefährtin von Karl-Heinz W., die 46-jährige Helga A. ein. Sie hatte sich weder an der Planung noch an der Durchführung der fingierten Unfälle beteiligt. Allerdings erledigte die 46-Jährige zum Teil den Schriftverkehr mit den geschädigten Versicherungen, sie schrieb erfundene Unfallberichte, fälschte Unterschriften und zahlte die Schecks der Versicherungen auf ihrem Konto ein.

Die Strafen im Einzelnen: Karl-Heinz W wurde zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Zwei Jahre auf Bewährung gab es für Horst H., ein Jahr zehn Monate (ebenfalls auf Bewährung) für Erich H. und 18 Monate auf Bewährung für Helga A.

Zwei Männer, die nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ebenfalls zu den Altöttinger Autobumsern zählen, befanden sich am Dienstag nicht auf der Anklagebank. Ein Autohändler und ein KFZ-Sachverständiger - beide Mitglied in einem Altöttinger Motorradclub - bestreiten vehement, dass sie der Bande angehört haben. Das Gericht hat deshalb die Verfahren gegen diese beiden Beschuldigten abgetrennt. Gegen sie werden gesonderte Prozesse mit vermutlich lange dauernden Beweisaufnahmen geführt.

Die Anwälte dieser beiden mutmaßlichen Autobumser verfolgten den Prozess am Landgericht, der Kfz-Sachverständige saß sogar selbst im Zuhörerraum. Frohe Botschaften gab es für die beiden Motorradclub-Mitglieder dabei allerdings nicht. Im Gegenteil, sie wurden vor allem Karl-Heinz W. und Horst H. schwer belastet. Und der Sachbearbeiter der Kripo sagte aus, dass er zumindest den Gutachter ebenfalls zum harten Kern der Bande zählt. Wann diese beiden Männer genau vor Gericht stehen werden, ist noch unklar. Ihnen dürfte voraussichtlich im Herbst der Prozess gemacht werden.

Autor: rp

Weitere Nachrichten aus dem selben Ort: