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13.03.2012 Landkreis Altötting

Keine Anstiftung zum Mord an Kronzeugen

Sechseinhalb Jahre für Autobumser Horst D.


Autobumser Horst D. wird wegen 20 Waffendelikten und Brandstiftung verurteilt

Der 50-jährige Kaufmann, Wirt und „Autobumser“ Horst D. aus Heldenstein muss für sechseinhalb Jahre hinter Gitter. Darin enthalten sind viereinhalb Jahre Haft aus dem Betrugsverfahren vom letzten Jahr wegen fingierter Autounfälle mit sechsstelligem Schaden im Raum Mühldorf.

 

Das Schwurgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs sprach den Angeklagten am Dienstag vom Vorwurf des Mordauftrags über seinen Ex-Rechtsanwalt aus dem Gefängnis heraus gegen einen 39-jährigen Kronzeugen frei, verurteilte ihn aber wegen 20 Waffendelikten und Brandstiftung.

 

Staatsanwalt Dr. Martin Freudling hatte Schuldspruch in allen Anklagepunkten und eine Gesamtstrafe von zehn Jahren gefordert. Verteidiger Dr. Herbert Buchner aus Traunstein hatte auf Freispruch in zwei der drei angeklagten Komplexe plädiert - dem Mordauftrag und einem in Brand gesteckten Pkw. Der 50-Jährige sei neu nur wegen der Waffendelikte zu verurteilen zu einer Gesamtstrafe von fünf Jahren.

 

Kernvorwurf der viertägigen Hauptverhandlung war die „versuchte Anstiftung zum Mord“ an dem 39-Jährigen, der letztes Jahr unter Polizeihilfe seine Identität gewechselt hat und letzte Woche „aus Angst“ nicht aus Österreich nach Traunstein zur Zeugenaussage gekommen war. Wesentliches Indiz zu diesem Anklagekomplex war ein Aktenvermerk, im April 2010 erstellt durch den früheren Verteidiger nach einem Gespräch mit dem 50-Jährigen in der Justizvollzugsanstalt Traunstein. Darin hieß es: „S. (Anfangsbuchstabe geändert) ... soll für 10 000 Euro den D... verramma, er erledigt die Geschichte.“ Der Anwalt faxte den Aktenvermerk an die Ehefrau des Angeklagten. Diese unternahm nichts, die Order zu realisieren. Der 39-Jährige blieb unversehrt. Der Angeklagte hatte sich in dem Prozess zu dem angeblichen Mordauftrag nicht geäußert. Sein Name stand gestern nachmittags übrigens auch auf der Agenda der Ersten Zivilkammer am Landgericht Traunstein - wo es auf Versicherungsklage um die erste zivilrechtliche Aufarbeitung von einem der „künstlichen“ Autounfälle ging.

 

Im Urteil hob Vorsitzender Richter Fuchs heraus, grundsätzlich sei eine derartige Anstiftung als Verbrechenstatbestand strafbar. Die geplante Tat müsse aber konkretisiert werden. Vorüberlegungen reichten nicht aus. Es seien keine Strukturen „wie bei der Mafia“ vorhanden, „wonach der Pate mit dem Finger schnippt und jemand sofort losläuft, einen Mord zu begehen“. Erforderlich wäre die Existenz eines Tatplans - wer wie womit den Mord ausführen soll. Es sei überhaupt nichts bekannt geworden, was sich der Angeklagte vorgestellt habe. Weitere Frage sei, ob der vorgeschlagene Schütze die Tat begangen und ob er die 10 000 Euro als Lohn akzeptiert hätte. „Das einzige, was man weiß, ist, wer das Opfer sein sollte“, hob Fuchs heraus. Der Kronzeuge sei damals noch in Untersuchungshaft gesessen: „Wie hätte der Schütze den 39-Jährigen im Knast erschießen sollen?“

 

Möglicherweise sei der Angeklagte gefährlich, bereit, seine Vermögensinteressen durchzusetzen oder ein Auto anzuzünden. „Er ist jedenfalls in der Lage, Drohkulissen aufzubauen“ - so der Vorsitzende Richter weiter. Der Angeklagte habe es verstanden, ein bestimmtes Bild von sich zu zeichnen, „sich gefährlich zu machen“. Letztlich sei jedoch nichts passiert. Die Ermittlungsbehörden hätten „dem Spiel ein Ende bereitet“. Nicht ganz ausgeschlossen werden könne, dass der Kronzeuge „von der Drohung erfahren sollte, um seine Aussage zurückzuziehen“.

 

Wegen des Teilfreispruchs müsse die Staatskasse für einen Teil der Prozesskosten aufkommen. Für die Zukunft gab Fuchs dem Angeklagten mit auf den Weg; „Bedenken Sie, was Sie anderen Menschen angetan haben.“ Bei einem vollen Geständnis im Sinn von „reinem Tisch“ wäre die Strafe wohl etwas anders ausgefallen.

 

Sein Plädoyer hatte der Staatsanwalt so überschrieben: „Der Angeklagte stellt sich dar als Schrotthändler für rostige Dekowaffen. Tatsächlich geht es um erhebliche Verbrechen.“ Man habe viele Zeugen gehört: „Laut dem Angeklagten haben alle gelogen. Aber viele Männer haben sich verurteilen lassen.“ Die Angaben des Kronzeugen hätten sich, von Details abgesehen, bewahrheitet. Der Mordauftrag sei bewiesen und auch ernst gemeint gewesen. Dr. Freudling wörtlich: „Der Kronzeuge war für den Angeklagten eine unglaubliche Gefahr, das Ende seiner bürgerlichen Existenz.“ Dr. Freudling betonte, solches Verhalten sei dem 50-Jährigen nicht fremd. Nach dem Freitod eines Mittäters zum Beispiel habe er auf dem Gefängnisgang „getanzt“. Für die drei Anklageteile beantragte Dr. Freudling Einzelstrafen von fünf, fünfeinhalb und zwei Jahren.

 

Lediglich einen „Aufschlag“ von sechs Monaten wegen der Waffen auf die rechtskräftige viereinhalbjährige Vorstrafe wollte Verteidiger Dr. Herbert Buchner. „Verramma“ habe im Bayerischen mehrere Bedeutungen. Der Satz mit dem „verramma“ stehe im freien Raum. An den angeblichen „Scharfschützen“ sei niemand herangetreten. Außerdem sei der Vermerk allenfalls eine straflose „Vorbereitungshandlung, keine Versuchshandlung“. Dr. Buchner wählte einen Banküberfall als Vergleich. Wenn man nur daran denke, wie man ihn ausführen könne, sei dies straflos. Ziehe man konkret die Kapuze über das Gesicht, sei dies ein Versuch. Ein Versuch starte, „wenn alles getan ist, was zum Erfolg führt“.

 

Auf das „letzte Wort“ hatte der 50-Jährige verzichtet. In den Angaben zu seiner Person hatte er sich kurz vorher entschuldigt: „Ich habe Fehler gemacht. Auch gegenüber Polizeibeamten ist einiges gelaufen, was so nicht laufen sollte.“ Er habe alles verloren - bis auf seine Familie. Jetzt wolle er sein Leben komplett neu ordnen. Seine Waffenleidenschaft sei „ein Blödsinn“ gewesen, ein Hochschaukeln innerhalb des Schützenvereins. Durch den „leichten Kauf von Schusswaffen“ habe man versucht, sich gegenseitig zu überbieten. „Ich habe mit meinem Wirtshaus, mit dem Schmatzen, mit dem Alkohol die Kontrolle verloren. Deshalb will ich mit dem Wirtshaus nichts mehr zu tun haben“, meinte er.

Autor: kd

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