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08.05.2013
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Fremdschlafen


Ich träume von einem fremden Bett, in dem ich schlafen kann

Ich sage es ganz ehrlich: Unserem Pfingsturlaub sehe ich mit gemischten Gefühlen entgegen – so wie jedem Urlaub. Klar freue ich mich auf die Sonne am Gardasee (sofern sie so nett ist, zu scheinen), auf die Zeit mit der Familie und natürlich aufs Faulenzen.
Mit einer Sache habe ich jedoch bei jedem Urlaub zu kämpfen und das ist der Schlaf!


Ich bin schlichtweg ein denkbar schlechter Fremdschläfer. Richtig gut schlafen kann ich nur in meinem eigenen Bett und nur bei absoluter Dunkelheit und Stille.
Ich beneide Menschen, die bei jeder Gelegenheit und in jeder noch so unbequemen Körperhaltung schlummern können. Einer meiner Kumpel brachte es sogar fertig, in der Disko neben dem Lautsprecher selig wie ein Säugling zu „runzeln”.


Ich schlafe nicht im Flugzeug, weil es da immer irgendwie zieht. Ich hasse es, wenn bei einem Nachtflug andere Passagiere die Sockenfüße seitlich an meinem Sitz vorbei nach vorne strecken. Ich glaube, die Piloten und ich sind die einzigen, die den ganzen Flug über wach sind.


Im Hotel läuft es nicht viel besser. Die Matratze ist entweder zu hart oder (meistens) zu weich. Die Kissen sind schrecklich prall, so als wären sie mit Montageschaum gefüllt.
Ich bin schon dazu übergegangen, im Urlaub mein eigenes Kissen mitzunehmen. Das hat definitiv schon bessere Zeiten gesehen und enthält nur noch etwa ein Viertel der ursprünglichen Federfüllung, aber ich liebe es. Sämtliche Versuche meiner besseren Hälfte, das Kissen gegen ein Neues auszutauschen, konnte ich bisher erfolgreich abwehren.


Eine weitere Sache, die mich am Hotelbett unheimlich stört, ist, dass ich mir mit meiner Frau eine Decke teilen muss. Das ist sicher vom Hotel gut gemeint, aber ich lege allergrößten Wert auf eine Decke für mich alleine. Schon immer – auch mit 20. So groß konnte die Liebe gar nicht sein, denn eine gemeinsame Bettdecke führt zwangsweise zu Problemen.

Problem Nummer 1: Die Schlafpartnerin zieht dir permanent die Decke weg.

Problem Nummer 2: Beide Schlafgenossen drehen sich nach außen, so dass sich die Decke in der Mitte spannt und ein Spalt entsteht, durch den die kältere Raumluft unter die Bettdecke kriecht.

Problem Nummer 3: Der weibliche Körper besitzt zwei verschiedene Temperaturzonen. Während die weiblichen Füße fast immer kalt wie Eiszapfen sind, lässt der übrige Frauenkörper eine Wärmflasche vor Neid erblassen. Unter einer gemeinsamen Decke fühlt man sich schnell wie in der Sauna. Die Berührungen mit den eiskalten weiblichen Füßen fühlen sich hingegen an, wie der Sprung ins Kältebecken.
„Ach komm, Schatz, lass mich doch etwas aufwärmen”, flötet sie und versucht ihre Eiszapfenzehen zwischen die männlichen Oberschenkel zu quetschen.
Wohl dem, der eine eigene Bettdecke besitzt, um diese Versuche abzuwehren, indem er sich in die Decke einwickelt.

Zurück zum Gardasee: Auf Wunsch meiner Kinder haben wir uns wieder ein Mobilhome reserviert und zu den bereits beschriebenen Problemen kommt hier noch hinzu, dass das ganze Ding wackelt, wenn sich nur jemand im Bett umdreht. Ein nächtlicher Toilettengang fühlt sich an wie ein Erdbeben.

Wenn Sie also am Gardasee einen Touristen mit rotgeränderten Augen sehen, dann bin das vermutlich ich.
Dann „gfrei” ich mich schon längst wieder auf mein Bett daheim!

eMail: mike.schmitzer@wochenblatt.de
facebook: mike schmitzer

Autor: Mike Schmitzer