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01.08.2012
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Die Mogelpackung


Was Frau und Mann nicht alles tut um dem anderen Geschlecht zu gefallen ...

Sie kennen das ja: Man lässt sich in einem Laden zu einem Kauf hinreißen, weil die Verpackung so hübsch und vielversprechend aussieht. Daheim muss man dann aber feststellen, dass der Inhalt total enttäuschend ist.

Okay, in diesem Fall bringt man das Ding einfach in den Laden zurück.
Wenn es nur immer so einfach wäre ...

Szenenwechsel: Uschi – um jetzt mal irgendeinen Namen zu nennen – hat die letzten zwei Stunden im Badezimmer zugebracht. Beine epiliert, Achseln rasiert – auch die feinen Härchen an den Unterarmen! Augenbrauen gezupft – und dabei nicht das hartnäckige schwarze Haar vergessen, das immer wieder an der gleichen Stelle am Kinn sprießt.


Jetzt noch schminken und die Haare machen. Am schwierigsten ist es, die Frisur so hinzubekommen, dass sie aussieht, als würden die Haare ganz natürlich fallen. Strähne für Strähne wird der Pony mit den Händen an die richtige Position gezupft und mit ordentlich Haarspray fixiert. Eigentlich ist Uschi ja brünett – Straßenköterbraun sagt sie selbst immer dazu – aber nachdem sich die ersten grauen Haare gezeigt haben, ist sie auf blond-gesträhnt umgeschwenkt. Für die lange Mähne sorgen Extensions, die sie sich von ihrem Urlaubsgeld hat machen lassen. Genaugenommen ist Uschi auch nicht grünäugig aber wofür gibt es farbige Kontaktlinsen? Die Fingernägel? Natürlich aus Kunststoff.


Langsam pressiert´s, in einer halben Stunde kommt Sabine und holt sie zur Ü30-Party ab.
Im Moment steht Uschi verzweifelt vorm Schrank und stellt fest, dass sie nichts, aber auch gar nichts zum Anziehen hat. Nach viermaligem Umziehen – das Bett ist inzwischen übersät mit Kleidungsstücken – entscheidet sie sich für ein knappes schwarzes Kleidchen mit aufgestickten schwarzen Pailletten.


Mit ihren Oberschenkeln ist Uschi eigentlich ganz zufrieden. Die hat sie vor zwei Jahren machen lassen. Und gegen ihr Bäuchlein hat sie von einer Freundin einen Wahnsinnstipp bekommen: figurformende Unterwäsche.
Ohne Klamotten sieht Uschi mit der beigen Unterhose, die bis kurz unter den Busen reicht, zwar aus wie eine Weißwurst, aber angezogen wirkt sie gleich um fünf Kilo leichter. Nun noch den Push-up-BH umgeschnallt, der die Regeln der Schwerkraft überlistend die Auslage nach oben drückt, und Uschi ist abflugbereit.

Im Auto unterhält sie sich mit ihrer Freundin über das andere Geschlecht. Wie meistens. Uschi erzählt, dass sie auf ganz natürliche Männer steht. Also nicht diese Typen mit Gelfrisur und Polohemd sondern eben natürliche Männer. Ruhig mit Dreitagebart. Aber die Brusthaare sollten auf alle Fälle wegrasiert sein. Und ein Sixpack wäre auch nicht verkehrt ...


Und dann fällt Sabine ein, was sie neulich online beim Wochenblatt gelesen hat: Es gibt jetzt Bauch-weg-Unterwäsche für den Mann.
„Ja echt, krass, oder?” Die beiden versuchen sich das gerade bildlich vorzustellen.


„Mein Gott, Du fängst Dir mit so einem vermeintlich knackigen Typen was an und im Schlafzimmer zieht er seine Unterwäsche aus und dann kommt der Riesenbierbauch zum Vorschein”, kichert Sabine.


Da stellt sich doch nur noch eine Frage, sind sich die beiden Frauen einig: Wie wird man diese Mogelpackung schnell wieder los?

facebook: mike schmitzer
eMail: mike.schmitzer@wochenblatt.de

Autor: Mike Schmitzer