01.02.2012
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Das peinliche Schweigen

Frau Zähne
Foto: wo
Wenn bei einem Treffen der Gesprächsstoff ausgeht, dann ist die Stille ohrenbetäubend laut!

Heute möchte ich mich mit einem Thema beschäftigen, das glaube ich jeder von uns kennt: Die Angst vor der Gesprächslücke!
Nun bin ich ja schon von berufswegen ein kommunikativer Mensch, aber selbst ich schwitze manchmal Blut und Wasser, wenn bei einem Treffen, sagen wir bei einem Geschäftsessen, das Gespräch einfach nicht in Gang kommen will, weil man mit dem Gegenüber gesprächstechnisch einfach nicht harmoniert:

 

 


Ich: Und, wie läuft´s in der Firma?
Er: Danke, bin zufrieden.
Ich: Mit der Familie alles Bestens? Ihre Tochter müsste jetzt ja auch schon in die Schule gehen?
Er: Ja danke, passt alles.
Ich: Ähhh, wie lange ist es jetzt her, dass wir uns das letzte Mal getroffen haben?
Er: Schon ´ne Weile.

 

 


Spätestens jetzt gerate ich innerlich in Panik und frage mich, ob ich meinen letzten Trumpf aus dem Ärmel ziehen soll: das Wetter. Man sitzt sich gegenüber, schweigend, und jeder überlegt krampfhaft, wie er diese ohrenbetäubende Stille endlich beenden kann. Man vermeidet den anderen anzusehen, der Blick wandert hilfesuchend im Lokal herum, doch niemand, nicht einmal der Kellner, kommt zu Hilfe geeilt.

 

 


Das Tückische daran ist, dass man vorher sehr schwer einschätzen kann, ob das Gespräch flutscht oder nicht. Natürlich gibt es Themen, bei denen man meint, jeder hätte eine Meinung dazu. Aber selbst darauf kann man sich nicht immer verlassen:

 

 


Ich: Hätten Sie damit gerechnet, dass Micaela Schäfer im letzten Moment aus dem Dschungelcamp fliegt?
Er: Sie schauen doch nicht im Ernst diese niveaulose Sendung?
Ich: Ähm ... doch, ich meine: Nein, also – manchmal.
Mein verzweifelter Blick fällt auf das iPhone des Gegenübers.
Ich: Ist das schon das 4s? Welche Apps nutzen Sie denn?
Er: Für mich ist das Handy nur ein notwendiges Übel. Ich telefoniere damit nur. Es ist noch immer so, wie mir meine Sekretärin das eingerichtet hat.

 

 


Es gäbe sicher ein Thema, über das man sich mit diesem Menschen super unterhalten könnte, aber – sorry – ich komme nicht drauf.
Smalltalk ist ein bisschen so wie tanzen. Nur, dass jeder einmal die Führung übernimmt. Doch manchmal funktioniert es selbst dann nicht, wenn sich beide Partner richtig anstrengen.
Das gilt für ein Geschäftsessen ebenso wie für das erste Date.

 

 


Manchmal begegnet man dem peinlichen Schweigen an Orten, an denen man es nicht vermutet hätte, beispielsweise vor dem Lokal. Man steht mit einem anderen Raucher in der Kälte, jeder zieht konzentriert an seiner Zigarette. Jeder hat das Gefühl, eigentlich ein Gespräch beginnen zu müssen, keiner weiß aber worüber. Ein anderes Mal ergibt sich ohne viel Nachdenken sofort ein Dialog. Na ja, bei mir nicht mehr, denn ich habe das Rauchen aufgegeben ...

 

 


Auch wenn man nirgendwo vor dem peinlichen Schweigen sicher ist, nicht im Fahrstuhl, nicht im Wartezimmer, nicht im Restaurant (wenn man an einen Tisch mit fremden Leuten gesetzt wird), so gibt es doch kleine Oasen des Schweigens.
Wenn man einen Menschen sehr lange und sehr gut kennt, dann muss man nicht mehr zwanghaft ein Gespräch führen. Dann kann man sich einfach anschweigen, ohne dass es peinlich wird. Ist das nicht schön?

 


facebook: mike schmitzer
eMail: mike.schmitzer@wochenblatt.de

Autor: Mike Schmitzer


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