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16.05.2012
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Ist denn schon wieder Vatertag?

Mike VW
Foto: mike
Ich hasse diese Vatertage, Muttertage, Valentinstage, Hochzeitstage ...

Das kann doch unmöglich schon wieder ein Jahr her sein? Wie ich diese besonderen „Tage” hasse: Muttertag, Vatertag, Valentinstag, Geburtstag, Namenstag, Hochzeitstag – es vergeht ja kaum eine Woche ohne.

 

 

 

Permanent muss man sich Gedanken machen mit welchen überflüssigen Dingen man seine „Liebsten” beschenken könnte und wo man die überflüssigen Dinge hinräumt, die man selbst geschenkt bekommen hat.

 

 

 

Solange die Kinder klein sind, ist so ein Vatertag ja noch ganz nett. Man freut sich ehrlich über den quietschbunten Stiftehalter aus Pappe, oder das plumpe Pfeifenreiniger-Männchen mit seinem „Ich-hab-Dich-lieb”-Schildchen. Auch über die abstrakten Zeichnungen, die von den Sprösslingen in Kindergarten und Grundschule angefertigt werden.

 

 


„Ist das eine Qualle?”
„Nein, Papa, das bist Du und ein Herz.”
„Natürlich Schatz – dass ich das nicht gleich erkannt habe.”

 

 

 

Diese Kritzelzeichnungen hängt man dann natürlich gerne an exponierten Stellen auf, um zu demonstrieren, was für ein beliebter Vater man doch ist.
„Sehen Sie, das hat mein Sohn für mich zum Vatertag gemalt: Ich bin das kräuselhaarige Kuchengesicht mit den viel zu kurzen Beinen und den Fingern, die aussehen, als wären sie von einer Dampfwalze überrollt worden.”

 

 

 

Mein früherer Zahnarzt hatte sein Behandlungszimmer mit solchen Ich-bin-ein-guter-Vater-Beweiszeichnungen vollgepflastert. Ich weiß nicht, was mich mehr genervt hat: Diese Kritzelbilder oder der grinsend immer wieder aufgewärmte Spruch: „Und Sie vollbringen heute am Morgen schon ihre gute Tat? Bitte weit aufmachen.”

 

 

 

Ab einem gewissen Kindesalter ist das mit den Zeichnungen vorbei – und mit den Liebesbekundungen. Es folgt die Phase in der Papa und Mama den unwilligen Bälgern abwechselnd Geld zustecken, damit diese gefälligst losziehen um Geschenke für das jeweils andere Elternteil zu besorgen.

 

 


Das war schon zu meiner Zeit so. Meine Mutter hat mir mal fünf Mark gegeben um ein Vatertagsgeschenk zu besorgen. Das war Ende der 70er Jahre, ich ein Teenager. Vier Mark fünfzig habe ich in Süßigkeiten für mich umgesetzt und für die restlichen 50 Pfennige von einem Flohmarkthändler eine Schallplatte gekauft. Die war rot und durchsichtig wie Himbeerlimo und spielte „Schöne blaue Donau”, was ja eigentlich ein Widerspruch in sich ist.

 

 


Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wie mein Vater auf das Geschenk reagiert hat, aber wahrscheinlich hat er Freude geheuchelt. Das ist nämlich auch so eine Besonderheit dieser bestimmten „Tage”. Man darf noch nicht einmal sagen: „Steck Dir den Scheiß sonstwohin”, sondern muss als Beschenkter so tun, als würde man sich ehrlich darüber freuen.

 

 

 

Und das mit dem Vater- und Muttertag hört nie auf, man bleibt ja immer Kind.

 

 


„Hast Du Dir eigentlich schon Gedanken über ein Vatertagsgeschenk gemacht?”, fragt mich meine Frau alle Jahre wieder.
Oh Mann, ich wusste ja schon nicht, was ich ihm zu Weihnachten und zum Geburtstag schenken soll. Das Fiese ist, dass Eltern immer im Vorteil sind. Sie können ohne schlechtes Gewissen ihren Kindern einfach Geld schenken – und vielleicht noch ein Paar Socken dazu. Die Kinder hingegen – auch wenn diese schon längst die 40 überschritten haben – müssen sich immer etwas einfallen lassen, denn Geld zurückzuschenken ist irgendwie ein „No-Go”.

 

 

 

Das Dilemma endet dann meistens bei Konzertkarten die verfallen, Gutscheinen die nie eingelöst werden oder Essenseinladungen die ungenutzt verpuffen.

 

 

 

In diesem Sinne: Einen fröhlichen Vatertag. Ich bin erst am Freitag wieder auffindbar ...

 

 


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eMail: mike.schmitzer@wochenblatt.de

Autor: Mike Schmitzer