Die Wochenblatt App
14.08.2012
Artikel versenden Artikel drucken Leserbrief schreiben

Die Tücken der 80er und 90er Jahre


Von ins Intro labernden Moderatoren und Vokuhilas in der Videothek

Es gab eine Zeit, in der man  sich mit ganz anderen Fragen beschäftigen musste als: „Wie bekomme ich Musik auf mein iPhone ohne das verflixte iTunes zu installieren?”, oder „Brauche ich einen Full-HD-Fernseher oder reicht mir einer mit HD?”, oder „Sauge ich mir die Filme illegal aus dem Internet oder kaufe ich sie mir ganz brav auf Blu Ray?”


Ich erzähle Ihnen heute von der Steinzeit der Technik. Von den 1980ern und 1990ern ...


Musik und Filme konnte man nicht einfach aus dem Internet laden, es gab nämlich noch kein Internet. Zumindest nicht für uns Normalsterbliche. Raubkopiert wurde damals schon, nur hat das noch keinen so richtig interessiert. Und es hieß auch nicht „raubkopieren”. Für unsere Musiksammlung hatten wir zwei Quellen: Die eine waren Schallplatten die wir uns abwechselnd kauften und dann den Freunden auf Musikkassetten kopierten. Unter Schallplatten versteht man übrigens diese runden schwarzen Dinger, die mit jedem Mal abspielen etwas mehr knarzen. Bis heute hält sich unter DJs die Legende sehr hartnäckig, dass Schallplatten besser klingen als CDs (die es damals noch nicht gab), was meiner Ansicht nach aber technisch überhaupt nicht möglich ist, aber egal.


Die zweite Möglichkeit an die coolen neuen Songs zu kommen, war das Aufnehmen der Schlager der Woche in Bayern 3. Ich weiß nicht, wie oft ich vor meinem Kassettenrekorder gesessen bin und darauf gewartet habe, den Aufnahmeknopf zu drücken. Und ich rede hier nicht von einem Antippen mit dem Finger sondern dem mechanischen Betätigen eines Knopfes, so ähnlich wie bei einem Toaster. Das Problem war, dass sich Moderator Thomas Brennicke einen diabolischen Spaß daraus machte, in das Intro des begehrten Songs hineinzuquatschen und mir und tausenden anderen damit die Aufnahme zu versauen. Als ich später selbst beim Radio gearbeitet habe, verzichtete ich bei Neuvorstellungen bewusst auf das so genannte „Ramp-Talking”, auch wenn es unter Moderatoren als die höchste Kunst gilt, exakt so lange in den Song zu labern, bis der Gesang beginnt.


Doch noch einmal zurück in die Zeit der Musikkassetten. Ich darf keinesfalls vergessen zu erwähnen, dass Kassetten die unangenehme Eigenschaft besaßen, sich in das Abspielgerät „hineinzuwuzeln”. Natürlich passierte das ausschließlich bei den Lieblingskassetten. Mit einem Bleistift musste man dann versuchen, den Bandsalat wieder irgendwie aufzuspulen ohne dabei das Magnetband in der Kassette zu verdrehen. Manchmal half nur noch der Griff zu Schere und Pattex – und manchmal half garnichts mehr ...


War die Sache mit der Musik damals schon schwierig, so konnte man die Beschaffung von Filmen als den blanken Horror bezeichnen.
Ich überspringe jetzt mal meine Super-8-Phase in der ich genau zwei Filme besaß: „Die Todeskralle schlägt wieder zu” und „Die Wildgänse kommen”. Bei beiden kann ich noch heute jeden Dialog mitsprechen.


Ich dürfte so um die 16 oder 17 gewesen sein, als ich den ersten Videorekorder bekam. Wieder mit Toaster-Schaltern, Sie wissen bescheid ...
Videotheken gab es noch nicht, aber vereinzelte Elektrogeschäfte die Filme verliehen. Natürlich war die Auswahl äußerst begrenzt und man musste auch noch darauf achten, dass die Kassette das richtige Format hatte. Anfangs gab es gleich drei konkurrierende Formate, bis sich letztlich VHS durchsetzte.


Ich glaube es war anfang der 90er, als der Siegeszug der Videotheken begann. Plötzlich gab es ganze Stellwände voller Videofilme und 3-zum-Preis-von-2-Aktionen.
Die negative Seite war: Alle wollten den gleichen neuen Film sehen und zwar am liebsten sofort. Also musste man entweder auf die Warteliste oder sich mit der üppigen Videotheken-Mitarbeiterin gutstellen.


Mit dem Besuch einer Videothek untrennbar verbunden war der Anblick dieser schnauzbärtigen Vokuhila-Typen in ihren schlabbrigen „Uncle Sam”-Hosen, die am Tresen der Videothek eben noch das Pils austranken, den Fünferpack Videofilme und die Tüte Paprikachips schon unterm Arm.


Das Schlimmste jedoch stand dem gutgläubigen Filmfan meistens noch bevor ...

Fortsetzung nächste Woche

facebook: mike schmitzer
eMail: mike.schmitzer@wochenblatt.de

Autor: Mike Schmitzer