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28.08.2012
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Die Sache mit dem Alter


Wenn es um das Alter einer Frau geht: Lügen, dass sich die Balken biegen ...

„Wie alt sind Sie? 47 Jahre? Ach was, Sie schwindeln mich doch an ...” Kennen Sie diesen Satz? Ganz bestimmt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie sowas gelegentlich auch hören und dieses nur zu gerne glauben würden. Aber mal ehrlich: Was erzählen Sie und ich denn den anderen Leuten, wenn wir auf deren Alter zu sprechen kommen?


Man kann ja auch schlecht sagen, dass das Gegenüber in Wirklichkeit zehn Jahre älter aussieht als es tatsächlich ist, oder? „Was, 32 erst? Sie sehen ja aus wie eine Lederhandtasche mit Augen!”
Vor allem bei Frauen ist das Alter ein äußerst heikles Thema. Höchste Alarmstufe ist angesagt, wenn eine neue Bekanntschaft von Ihnen verlangt, ihr Alter zu schätzen.


Mit einem erwartungsvollen, aber gleichzeitig drohenden Lächeln strahlt mich die Freundin eines alten Schulkameraden an, augenscheinlich zwischen 40 und 50 Jahre alt. „Und, wie alt bin ich?” „35 und keinen Tag älter!” „37”, verbessert sie mich mit einem Schnauben und verschränkt, gespielt beleidigt, die Arme vor der Brust. „Wow, gut gehalten, Respekt”, flöte ich – und sie lächelt.
Puh, gerade noch die Kurve gekriegt. Wissen Sie, ich habe mir angewöhnt, von dem Alter, das ich tatsächlich schätzen würde, pauschal zehn Lebensjahre abzuziehen. Trotzdem wird es manchmal ziemlich knapp. Vor allem wenn FRAU die Hälfte ihres Lebens unterm Solarium verbracht hat …


Frauen erwarten nicht nur, jünger geschätzt zu werden, sie haben auch die putzige Eigenschaft, sich immer mit ihren Geschlechtsgenossinnen vergleichen zu müssen. „Schaaahatz, schau mal die da im Fernsehen”, schreit SIE ins Arbeitszimmer hinüber. „Wie alt, denkst Du, ist die Blonde da?”


Achtung, hier droht Gefahr. Ich rate in solchen Fällen wieder zur Anwendung des Zehn-Jahre-Tricks. „Keine Ahnung, ich würde sagen so etwa zehn Jahr älter als Du?” „Also Du hast ja überhaupt kein Gefühl beim Schätzen”, schüttelt SIE den Kopf, jedoch mit einem unüberhörbar zufriedenen Unterton. Wenn ER diesen Unterton vernimmt, hat er gewonnen und kann sich wieder in Ruhe seinem PC widmen. Es sollte sich übrigens herausstellen, dass die Blonde im Fernsehen im selben Alter ist wie die Gattin, in den Augen der Angetrauten aber deutlich älter aussieht – was sich bei ehrlicher Betrachtung nicht bestätigen ließe. Männer jedoch sind gut beraten, in solchen Fragen auf die Ehrlichkeit zu pfeifen.


Das gilt auch für folgende Situation: Das Ehepaar ist auf dem Heimweg von der Geburtstagsfeier eines alten Bekannten, als auf dem Beifahrersitz folgendes Resümee des Abends gezogen wird: „Also die Christine – Wahnsinn. Die hätte ich fast nicht mehr erkannt. Die ist vielleicht alt geworden. Und, ganz ehrlich, solche Klamotten würde ich in ihrem Alter nicht mehr tragen.”
Wollte ER nun ehrlich sein – was sich nicht empfiehlt – dann müsste er seine Gattin an die Worte erinnern, die sie bei der Begrüßung zur Gastgeberin gesagt hat: „Also wirklich Christine, Du bist um keinen Tag älter geworden. Und das Kleid steht Dir wirklich gut.”
Wenigstens sind wir Männer frei von solchen Eitelkeiten, nicht wahr?


Nein, sind wir natürlich nicht, wir zeigen sie nur nicht so offen wie die Frauen! Ich gebe zu, dass ich durchaus empfänglich bin für Komplimente, mein Alter betreffend. Und man kann ja nie genau wissen, ob sie nicht vielleicht doch ehrlich gemeint sind …

 

Eine schöne Woche!

 

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Autor: Mike Schmitzer