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11.09.2012
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Burghausen und seine Kunst


Schon wieder wurde die Skulptur am Burghauser McDonalds-Kreisel geplättet – ein Zufall?

Haben Sie es gesehen? Da hat doch am Sonntag tatsächlich jemand die Skulptur auf dem Burghauser McDonalds-Kreisel abrasiert. Ja genau, diese schönen (räusper) Edelstahl-Hände.


Wenn man bedenkt, dass das „Kunstwerk” nun schon mindestens drei Mal umgenietet wurde, dann mag man doch schon fast nicht mehr an einen Zufall glauben, oder?


Vielleicht war es die Tat eines militanten Kunstverächters? Sollen die kulturfreudigen Burghauser vielleicht ihrer geliebten Kleinode beraubt werden?


Gefahr ist im Verzug, denn die Handskulptur am McDonalds-Kreisel ist nicht das einzige moderne Kunstwerk, das in Burghausen ungeschützt herumsteht – und bei weitem nicht das hässlichste.


Man denke nur an die drei rostigen Schraubenmuttern – oder was das sein soll – die am Fahrbahnrand der Berchtesgadener Straße den Autofahrer an die Vergänglichkeit seines Getriebes gemahnen.


Oder an die so genannte „pink cloud”, die inzwischen gegenüber des Grübenausgangs an der Mautnerstraße unter einem Baum – ja man möchte fast sagen: versteckt wurde. Wie eine Wolke sieht das Ding ja eigentlich nicht aus, eher wie ein rosa Verwandter von Spongebob Schwammkopf nachdem dieser zweimal vom Lastwagen überrollt wurde.


Wenig erbaulich – und mein persönlicher Favorit für den Anschlag eines Kulturbanausen – ist das riesengroße schmutzig-braune Herz auf der Rasenfläche vor der Burghauser Kreisklinik. Ich könnte mir vorstellen, dass ein herzkranker Patient bei dessen Anblick erstmal bedient ist. Kinder verwechseln das anatomisch korrekt dargestellte Organ gern mit einem „dafeiden Giggal”. Der einzig vorstellbare Nutzen des „Kunstwerks” wäre, als krasses Anschauungsobjekt für die Ärzteausbildung zu dienen. Wie mir aber glaubhaft versichert wurde, haben sich dort bisher noch keine Ärzte blicken lassen.


Leid täte es mir um die lustigen Männchen-Skulpturen mit den großen Ohren am Stadtplatz. Oder um den Radlfahrer vor dem Rathaus. Es ist ja nicht alles „grob”, was in Burghausen an Kunstwerken herumsteht.


Und wahrscheinlich verstehe ich nur nichts davon. Andererseits sagte schon Berthold Brecht – und man verzeihe mir das derbe Zitat, doch es ist original: „Kunst ist nicht, wenn man in die Stube scheißt. Kunst ist, wenn man unter Beifall in die Stube scheißt.”

Und wenn wir schon gerade bei derben Zitaten sind, hier das eines Facebook-Kommentators bezogen auf die überfahrene Skulptur am McDonalds-Kreisel: „Endlich ist das hässliche Scheißding weg.”

Ich glaube allerdings, die Hände kehren zurück, denn was wäre Burghausen ohne seine Kunst?

P.S.: Ich hoffe, das Papstbild von Armin Müller-Stahl wird noch fertiggemalt, bevor es Bürgermeister Hans Steindl mit Sponsorengeldern kauft. Es fehlt nämlich noch das Gesicht.

Es grüßt der Kulturbanause!    

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Autor: Mike Schmitzer