18.10.2016

Gesundheit

Zahnersatz - Kosten und Unterschiede im Überblick

Schönes Lächeln
Foto: Giuliamar (CC0-Lizenz) / pixabay.com
Nur wenige Menschen haben das Glück, bis hinein ins hohe Alter vollständig auf die eigenen Zähne vertrauen zu können. Im Regelfall sieht es völlig anders aus. Einige Zähne werden gezogen, andere müssen überkront werden und hält das Zahnfleisch die Wurzeln nicht mehr fest, wird eine Prothese benötigt. Problematisch ist, dass dieser Zahnersatz hohe Kosten verursacht, die sich nicht jeder leisten kann.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen nur einen Teil der Kosten für den Zahnersatz und erkennen nicht jede Prothesenvariante an. Gleichzeitig steigen die Kosten für die sogenannten dritten Zähne ständig an. Da Patienten beinahe die Hälfte der Gebühren selbst tragen, entsteht rasch eine Versorgungslücke. Doch warum ist das eigentlich so und welche Möglichkeiten hat der Einzelne, um auch im Alter noch gut zubeißen zu können? Dieser Artikel soll die verschiedenen Optionen etwas genauer aufzeigen und erklären, wie Kostenunterschiede beim Zahnersatz entstehen.


Zahnersatz ist nicht komplett abgesichert

Gebissmodell
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Modell des menschlichen Gebisses - die Zahngesundheit ist ein Geschenk, welches die Menschen oftmals gar nicht so erkennen. Die Folge ist teurer Zahnersatz. Doch zumindest ein Stück weit ist Zahngesundheit auch genetisch bedingt und damit Glückssache - gute Pflege sorgt jedoch für eine höhere Wahrscheinlichkeit.
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Früher war es so, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Behandlung beim Zahnarzt vollständig übernommen hat. Unter die Kostenübernahme fiel auch der Zahnersatz. Seit der Reform verhält sich das Bild gegensätzlich. Die Krankenkassen übernehmen nur noch einen festen Zuschuss, der gesetzlich geregelt ist und, je nach angesammelten Bonuspunkten, zwischen 50 und 65 Prozent der Gesamtkosten beträgt. Als Gesamtkosten erkennen die gesetzlichen Kassen jedoch nicht jeden Zahnersatz an. Es wird stets die Regelversorgung zugrunde gelegt - also der Zahnersatz, der zu den Minimallösungen gehört. Wünscht ein Patient einen höherwertigen Zahnersatz, muss er noch höhere Kosten aus der eigenen Tasche bezahlen. Zu den Regelversorgungsleistungen zählen mitunter:

  • Modellgussprothese - Diese Prothese wird nach einem Abdruck hergestellt und mit Klammern an den noch festen, bleibenden Zähnen befestigt. Die Kassen übernehmen 50 Prozent der hierfür anfallenden Kosten, sofern kein Bonusheft vorliegt. Wurde dauerhaft ein Bonusheft geführt, steigt der Übernahmeanteil auf 65 Prozent.
  • Brücken - Bei dieser Prothese wird eine Prothese von Zahn zu Zahn eingesetzt. Die Brücke gehört zu den festen Zahnprothesen. Bei einer teilverblendeten Brücke, die nur im Sichtbereich zahnähnlich verkleidet ist, übernimmt die Krankenkasse ungefähr 50 Prozent der Gebühren.

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Regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt kann Schäden vom eigenen Gebiss fernhalten - doch auch zwischendurch ist eine gute Zahnpflege wichtig - sonst kann es später sehr teuer werden.
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Da die Kostenübernahme vollständig über die Richtlinien für den Festzuschuss geregelt ist, ergibt sich für Patienten kaum Spielraum. Die Krankenkassen legen den vom Zahnarzt niedergelegten Befund zugrunde und setzen die Gelder an, die der Festzuschuss ausgibt. Die einzelnen Befunde werden nicht mehr unterteilt oder als Einzelfälle betrachtet, sondern gehören schlichtweg zu einer festen Kategorie, in der es keine Abweichungen gibt. So erhält eine vierzigjährige Frau, die eine Lücke zwischen zwei Backenzähnen schließen muss, dieselbe Prothese wie ein achtzigjähriger Rentner.




Hochwertiger Zahnersatz ist deutlich teurer

Einfacher Zahnersatz mag zwar zweckdienlich sein, doch verursacht er immer wieder Probleme. Gerade herausnehmbare Prothesen sitzen gerne relativ locker. Verändert sich der Kiefer, passt plötzlich die Prothese nicht mehr - in der Folge entstehen schmerzhafte Reizungen, Druckstellungen und Entzündungen, die das Tragen des Zahnersatzes beinahe unmöglich machen. Umso älter Patienten werden, desto stärker werden häufig diese Probleme. Da ist es kein Wunder, dass gerade jüngere Menschen sich für hochwertige Ersatzlösungen interessieren:

  • Implantate - Bei einem Implantat wird die Wurzel des gezogenen oder ausgefallenen Zahns durch einen Metallstift ersetzt. Der Metallstift wird im Kieferknochen verankert und sitzt dort nach der Heilungsphase so fest wie eine echte Wurzel. Nun wird eine Krone auf den Stift aufgesetzt. Im Ergebnis gleicht der künstliche Zahn einem echten, auch die Haltbarkeit ist auf lange Sicht gerechnet. Implantate können als Einzellösungen genutzt werden, es ist aber auch möglich, ganze Zahnreihen auf diese Weise künstlich zu ersetzen.
  • Veneers - Diese Lösung eignet sich insbesondere im Bereich der Frontzähne und kann als herkömmlicher Zahnersatz, jedoch auch zur optischen Verbesserung des Zahnstandes genutzt werden. Veneers sind kleine Verblendschalen, die auf die echten Zähne aufgesetzt werden. Sie bestehen aus Keramik, die optisch vollständig an die eigenen Zähne angepasst wurde. Je nach Variante müssen die echten Zähne zuerst vorbehandelt werden, bevor die Blendschale aufgesetzt wird.
  • Vollverblendete Brücken - Während sich der Festzuschuss der Krankenkassen auf teilverblendete Brücken stützt, ist diese Lösung optisch wesentlich vorteilhafter. Die Brücke besteht im Inneren aus einer Legierung, auf die Zähne aus Keramik aufgesetzt werden. Alternativ können Patienten Brücken aus Vollkeramik wählen. Ein solcher Zahnersatz sitzt fest im Mund und ist absolut unauffällig. Daher kommt sie auch für Zahnlücken infrage, die sich im vorderen Zahnbereich befinden.

Dass diese Möglichkeiten des Zahnersatzes bestehen, wissen die meisten Patienten. Ebenfalls ist ihnen bekannt, dass sie selbst als Kassenpatient einen hochwertigen Zahnersatz wählen können. Die Krankenkassen übernehmen weiterhin einen Teil der Kosten - doch erhöht sich dieser Wert nicht.


Ein Rechenbeispiel:
Der Festzuschuss zu einer Zahnprothese würde laut Befund bei 500 Euro liegen. Die tatsächlichen Kosten für den Zahnersatz belaufen sich auf 1000 Euro, die Kosten des höherwertigen Zahnersatzes auf 1500 Euro. Würde der Patient die einfache Variante wählen, müsste er 500,00 Euro aus der eigenen Tasche zahlen. Wählt er jedoch die hochwertige Lösung, liegt der Eigenanteil bei 1.000 Euro, da die Krankenkassen den Festzuschuss nicht erhöhen.



Eine Lösung für diese Problematik bietet die Zahnzusatzversicherung. Diese kann sowohl bei den gesetzlichen Krankenversicherungen als auch bei unabhängigen Anbietern abgeschlossen werden. Im Falle des Zahnersatzes kommt die Zusatzversicherung nun für einen Großteil des Eigenanteils auf oder übernimmt ihn sogar vollständig. Allerdings sollten Patienten nicht unüberlegt eine Zahnzusatzversicherung abschließen, sondern die Angebote miteinander vergleichen und eine Versicherung für sich heraussuchen, die zu ihnen passt.

Hierbei gilt:

  • Je früher die Zusatzversicherung abgeschlossen wird, desto wirkungsvoller ist sie im Alter.
  • Die Zahnzusatzversicherung sollte sich nicht nur auf Zahnersatz beschränken, sondern weitere Zahnarztleistungen abdecken.
  • Auf die Wartezeit achten - einige Versicherer übernehmen keine Kosten, die in den Monaten nach dem Abschluss anfallen.


Zahnersatz kostet nicht überall gleich viel

Wer keine Zahnzusatzversicherung hat, jedoch trotzdem einen höherwertigen Zahnersatz wünscht, kann durchaus Kosten einsparen. Denn selbst innerhalb Deutschlands unterscheiden sich die tatsächlichen Kosten. Füllungen, Implantate oder auch Wurzelbehandlungen werden zwar durchaus nach der Gebührenordnung abgerechnet, doch legen die Zahnärzte die Sätze teils unterschiedlich fest, wählen also nicht immer den dreifachen Satz. Wer recht günstig ein neues Mundgefühl wünscht, sollte in die neuen Bundesländer fahren.

Ein Überblick:

  • Berlin: die durchschnittlichen Kosten für den Zahnarztbesuch liegen hier bei 530,00 Euro.
  • Mecklenburg-Vorpommern: Mit 556,00 Euro sind die Kosten ebenfalls sehr niedrig.
  • Thüringen/Brandenburg: Die durchschnittlichen Gesamtkosten übersteigen hier nicht die Marke von 550,00 Euro.

Teurer wird es in den alten Bundesländern, ebenso wie in Sachsen-Anhalt. Interessant ist, dass der Süden hinsichtlich der Gesamtkosten einmal nicht aus dem Ruder schlägt, sondern günstiger ist als der Norden. In Bayern erreichen die durchschnittlichen Kosten einen Betrag von 630,00 Euro, in Niedersachsen hingegen 645,00 Euro. Günstiger wäre der Zahnarztbesuch noch in Baden-Württemberg und NRW. Mit knappen 600,00 Euro liegen beide Bundesländer unterhalb von Bayern. Nicht ratsam hingegen ist der Besuch eines Zahnarztes im Saarland. Im Bundesdurchschnitt sind die Kosten hier besonders hoch, wie dieses Schaubild zeigt. Somit müssen die Zahnarztkosten also nicht unbedingt den allgemeinen Lebenshaltungskosten eines Bundeslandes entsprechen.


Fazit - besser vorsorgen und vergleichen

An der Gesundheit ist nicht zu sparen? Offenbar doch. Natürlich sollten Patienten nicht ihre Gesundheit aufs Spiel setzen und eine Behandlung verweigern, mehrere Kostenvoranschläge einzuholen und sich dabei auch überregional umzusehen, ist jedoch niemals ein Fehler. Gleichfalls lohnt es sich, möglichst im jungen Erwachsenenalter eine Zusatzversicherung abzuschließen. Da diese nicht nur für Zahnersatz interessant ist, sondern professionelle Zahnreinigungen mit abdeckt, lässt sich durch die Versicherung durchaus ein benötigter Zahnersatz zeitlich nach hinten hinausschieben. Denn eines ist sicher: Gesunde Zähne sorgen in vielen Fällen dafür, dass Patienten bis ins hohe Alter weniger Probleme bekommen. Der regelmäßige Kontrollbesuch beim Zahnarzt ist daher der beste Schutz gegen hohe Kosten und dient ganz nebenbei noch der Pflege des Bonusheftes. Dieses kann die Kosten zudem weiter leicht absenken. Mit der richtigen Vorsorge und einer guten Versicherung muss der Zahnersatz also kein finanzieller Schrecken sein.