16.12.2015

Münchener Flughafen baut Wohnungen für seine Mitarbeiter

Schlüssel
Foto: PHOTOCREO Michal Bednarek - 190775483/Shutterstock.com. Mit finanzierbaren Wohnungen wollen die Münchener Flughafenbetreiber neue Mitarbeiter locken.
Der „Franz Josef Strauß“-Flughafen möchte Wohnungen für seine Mitarbeiter bauen. Es geht um rund 600 Apartments in der Nähe des Flughafengeländes. Damit will man seine Attraktivität als Arbeitgeber erhöhen – aufgrund des starken Wachstums des Flughafens rechnen die Verantwortlichen damit, in den nächsten Jahren verstärkt neue Mitarbeiter einstellen zu können.

Die Gemeinden Hallbergmoos und Oberding sind zunächst das Ziel der Bemühungen der Flughafen München GmbH (FMG). Wie das Finanzministerium auf Anfrage mitteilte, plant der Flughabenbetreiber auf eigenen Grundstücken in diesen Gemeinden eine Wohnraumentwicklung. Die beiden Gemeinden mit derzeit rund 5000 (Oberding) und 9000 Einwohnern (Hallbergmoos) liegen jeweils nur wenige Minuten vom Flughafengelände selbst entfernt. Für potenzielle neue Mitarbeiter wäre das natürlich ein äußerst attraktiver Wohnort.

Bezahlbarer Wohnraum für neue Mitarbeiter: Flughafen München wächst weiter

Bei der Schaffung der neuen Wohneinheiten soll mit den beiden Gemeinden zusammengearbeitet werden. Es handele sich schließlich nicht um das Kerngeschäft der FMG, so das Finanzministerium. Daher würden „Partnerschaften mit Akteuren des Wohnungsmarkts gesucht“ werden, vermutlich sind damit Bauträger gemeint. Die ersten Wohnungen könnten, nach Einschätzung von FMG und Staatsregierung, bereits 2018 bezugsfertig sein.

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Noch mehr Passagiere - der Münchener Flughafen will weiter wachsen. Ditty_about_summer - 245322604/Shutterstock.com
Der Grund für die Wohnungsmarkt-Aktivität der Flughafen-GmbH ist das Wachstum des Kerngeschäfts: Waren es im vergangenen Jahr noch rund 39 Millionen Passagiere, die durch den Münchener Flughafen geschleust wurden, so könnten es bis 2017 schon 45 Millionen sein. Für jede Million neuer Fluggäste, so die Daumenregel, müssen etwa 700 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Ein großes Problem hatte die FMG zuletzt offenbar vor allem damit, dass Zugezogenen die Münchener Mietpreise einfach deutlich zu hoch sind. Gerade für die unteren Lohnklassen sollen die Wohnungen eine attraktive Möglichkeit für bezahlbaren Wohnraum darstellen. Damit erhofft sich die FMG, ihre eigene Attraktivität als Arbeitgeber zu erhöhen. Flughafenchef Michael Kerkloh sagte dazu gegenüber der Wirtschaftswoche: „Wir wollen mit bezahlbaren Wohnungen dafür sorgen, dass alle Mitarbeiter von ihrem Einkommen vernünftig leben können.“

München ist der zweitgrößte Flughafen in Deutschlands, einzig übertroffen vom Frankfurter Flughafen, der mit knapp 60 Millionen beförderten Passagieren (2014) im weltweiten Vergleich auf Platz 11 liegt. München sollte mit der geplanten Expansion auf rund 45 Millionen Passagiere in die Top 30 der Welt eindringen. Dafür sind neue Mitarbeiter nötig. 

 

Die Einquartierung der neuen Belegschaft in unmittelbarer Nähe zum Arbeitsplatz hätte noch einen weiteren, nicht zu verachtenden Vorteil. Die ohnehin schon schwierige Parkplatzsituation am Flughafen München müsste laut Parkplatzvergleich.de den Mitarbeitern dann kein Dorn mehr im Auge sein, immerhin könnten sie den Arbeitsplatz dann auch bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder gar mit dem Fahrrad erreichen. Von Hallbergmoos aus, einer der Gemeinden, in denen Wohnraum geschaffen werden soll, fährt die S-Bahn gerade einmal 7 Minuten bis zum Flughafen.

600 Wohnungen geplant – auch Terminals sollen erweitert werden

Die ersten 600 Wohnungen befinden sich bereits in Planung. Das sei allerdings erst der Anfang, erklärte Flughafen-Chef Kerkloh. Auf den erwarteten Zuwachs bei den Passagierzahlen reagiert die Flughafenbetreibergesellschaft FMG aber nicht nur mit dem Einstieg ins Immobiliengeschäft. Auch die bereits bestehenden Terminals sollen deutlich stärker erweitert werden, als bisher bekannt war. So strebt Kerkloh eine Erweiterung des alten Terminals 1 an, die er dem Aufsichtsrat vorschlagen will, sobald die derzeit laufenden Arbeiten am Terminal 2 fertig sind. Dort wird ein neuer Ableger realisiert, der groß genug für 11 Millionen Passagiere sein soll. Das Terminal 2 wird vor allem von der Lufthansa genutzt. Die derzeit im Bau befindliche Erweiterung kostet rund 900 Millionen Euro und soll im April 2016 fertig sein. 

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Die geplanten Terminal-Erweiterungen sollen bis zu 17 Millionen neuen Passagieren Platz bieten. Dabarti CGI - 124713472/Shutterstock.com

Die von Kerkloh angestrebte Erweiterung des alten Terminals soll weitere 300 Millionen Euro kosten, auf weitere sechs Millionen Kunden ausgelegt sein und voraussichtlich vor allem „Air Berlin“ sowie den Golf-Airlines, etwa „Fly Emirates“ mehr Platz bieten. Spätestens 2022 wäre dieser Anbau dann fertig, wenn alles nach Plan läuft.

In letzter Zeit machte der Münchener Flughafen aber auch mit durchaus negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam. Es gab gewaltigen Ärger um eines jener Hightech-Geräte, die genau diesen eigentlich verhindern sollen: Der Quantum Sniffer QS-B220, ein Gerät, das pro Stunde rund 180 Menschen auf Sprengstoffspuren testen soll und zudem auch Kokain, Heroin und LSD erkennt. Dieses wollte der Münchener Flughafen ab August routinemäßig bei Sicherheitskontrollen einsetzen. Das Problem: Ausgerechnet am ersten Einsatztag der „Sniffer“ wurde den Mitarbeitern, die in der Nähe arbeiteten, extrem schlecht. Hautrötungen, Schwindel, Orientierungslosigkeit und Augenbrennen sorgten dafür, dass acht von ihnen im Laufe des Tages ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

Verwirrung um US-Sicherheitsgeräte: Machten „Sniffer“ Mitarbeiter krank?

Die flughafeneigene Sicherheitsfirma SGM, die davon natürlich Wind bekam, ließ die Flughafenfeuerwehr das Gerät überprüfen. Der Befund war allerdings negativ. Dennoch dauerte es nur eine weitere Woche, bis SGM den Sniffer durch ein Gerät eines anderen Herstellers ersetzte. Die Dekra hatte nämlich auch ein Gutachten angefertigt, in welchem unter anderem von bedenklichen Formaldehyd-Werten die Rede war. Dieses steht im Verdacht, Krebs auszulösen – von einem Betrieb des Gerätes sei dringend abzuraten, so das Stuttgarter Labor.

Spannend: Auch bei den Nachfolgegeräten „fielen die Leute reihenweise um“, so ein SGM-Mitarbeiter. Ende September dann wurden auch diese entfernt, auch wenn die Dekra hier nichts feststellen konnte. Doch selbst nach abmontieren erkrankten weitere Mitarbeiter – mittlerweile sind etwa 200 Fälle bekannt. Die Kliniken und Hausärzte, an die die Betroffenen sich wandten, konnten keine klaren Ursachen für die Beschwerden finden.

Das Dresdener Fresenius-Institut, bei dem der Fall letztlich landete, stellte keinerlei schädliche Ausgasungen fest. Stattdessen kam man zu dem Schluss, die Dekra habe unter falschen Bedingungen gemessen und deshalb einen bis zu 150-fach zu hohen Formaldehyd-Wert ermittelt.

Das Münchener Uni-Klinikum, das sich schließlich auch mit dem Mysterium befasste, erklärt die vermeintlichen Vergiftungen mit dem Sick Building Syndrom. Das tritt sonst vor allem dann auf, wenn Menschen in neue Gebäude einziehen, und sich aufgrund der starken Gerüche nach neuem Material automatisch krank fühlen. Der starke Geruch nach Silikon und Kleber solle zu Beginn des Einsatzes der „Sniffer“ zum gleichen Effekt geführt haben. Mit der Zeit seien die Krankheitsfälle wohl eher auf „psychosomatischer Ebene“ zu erklären, nachdem die Berichterstattung große öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte.