Die Kirche ist in Teilen wieder politisch – und darüber können auch die Hand voll liberalen Pilger inmitten der konservativen Gruppe nicht hinweg täuschen. Benedikts Regensburger Rede über die Vernunft und den Glauben etwa wurde von Intellektuellen auch so verstanden, dass selbst demokratisch gewählte Regierungen dann fehl gehen, wenn sie „der Vernunft und der Natur zuwider handeln” – und was vernünftig ist, bestimmt die Kirche. So brachte der Papst etwa zuletzt ein liberales Partnerschafts-Gesetz in Italien zu Fall. Dass die Römer zwar dem Papst oft folgen, ihr Liebesleben aber nicht durch und durch katholisch ist, belegen die offenen Kondom-Packungen im Park auf der Rückseite des Vatikan.
Und im Vatikan geht es derzeit um etwas besonders Heikles, erzählt ein Theologe. Darum nämlich, ob es künftig in der Messe weiter heißen soll, dass alle erlöst werden – oder bald nur noch „viele”, die Katholischen nämlich.
Stolz auf ihren Papst sind die Bayern. Als die Pilger nach einem langen Tag in Rom und Castell Gandolfo zurück fahren ins Hotel, läuft Prälat Heinrich Wachter zu Hochform auf. Stundenlang hat er bei der Anreise bereits die Welt der Gegenwart beklagt, die keine Rosenkränze mehr kennt, den Protestanten gegenüber viel zu offen ist und die Sitte und Moral vermissen lässt. Er stimmt Bayern-, Deutschlandhymne und Mariengesang an. Bei den kindlich wirkenden Kirchenliedern wird er fröhlich – singt plötzlich Schlager, erzählt Witze. Ganz weltliche übrigens – über Männer und ihr Leid mit den Ehefrauen …