10.10.2012
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Urlaub im Kleinwalsertal - zwischen Deutschland und Österreich

Urlaubsort Riezlern im Kleinwalsertal
Foto: Peter Eckert
Geographisch gesehen ist das Kleinwalsertal eher eine Verlängerung des deutschen Allgäus.

Dennoch macht man dort Urlaub in Österreich. Obwohl man hier früher mit D-Mark zahlte und die Bewohner des Kleinen Walsertales nach wie vor deutsche Postleitzahlen benutzen. Dies erscheint seltsam - auch wenn man es geschichtlich begründen kann - ist doch das Kleinwalsertal offiziell eindeutig Teil des Bundeslandes Vorarlberg. In der Enklave Kleinwalsertal lebt man eben zwischen den Welten.

Wer selbst noch nie seinen Urlaub im österreichischen Kleinwalsertal verbracht hat, kann gerne mal einen Blick auf Google Maps werfen: die Straße nach Baad ist eine Sackgasse. Sie hört dort einfach auf. Der Große Widderstein in den Allgäuer Alpen schneidet das Tal komplett vom umliegenden Vorarlberg ab. Nur über die deutsche Nachbargemeinde Oberstdorf erreicht man die auf der Luftlinie nahe gelegenen Orte, Hochkrumbach, Unterboden und Schoppernau.

Wenn allerdings die Straße am Berg einfach aufhört, tut sie das nur für die Autofahrer. Für die Wanderer fängt der Spaß hier erst an. Eine schöne Tour führt von Baad über die Bärgrundhütte und den Gemstelpass zurück nach Mittelberg im Kleinwalsertal. Bergsteiger, die eine echte Herausforderung suchen, können auf dem Walserweg von Baad bis nach Chur in der Schweiz gehen. Auf der Strecke liegen der Bregenzer Wald, das Rätikon mit Drusenfluh, Drusentor und Sulzfluh sowie das Weisfluhjoch bei Klosters und Arosa  - kurz gesagt, mit die schönsten Flecken in den Alpen.

Auch die Vorfahren der heutigen Bewohner des Kleinwalsertales kamen ursprünglich aus der Schweiz, genauer gesagt aus dem Oberen Wallis. Man kann dies noch heute deutlich am Dialekt hören, der sich von den umliegenden Sprachfamilien unterscheidet. Doch keine Angst, Sie werden im Kleinwalsertal, genauso wie sonst im Österreich Urlaub, nicht an Sprachschwierigkeiten scheitern. Im Gegenteil: Der ständige Kontakt mit den Fremden hat dazu geführt, dass die Walser Sprache nun schon als vom Aussterben bedroht gilt. Einige Traditionalisten haben deshalb einen Verein gegründet, um die Erinnerung an bestimmte Worte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Doch nicht alle Bräuche kann oder will man retten: So lebten die Bauern im Kleinwalsertal einst nomadisch. Im Sommer trieben sie das Vieh auf der Suche nach immer saftigeren Weiden beständig in höhere Lagen. Auf ihren Spuren wandeln heute höchstens noch die Bergführer, die naturbegeisterte Touristen durch die immer noch beinah unberührte Landschaft führen.



Herausgeber Herbert Zelzer