wahlen
04.04.2012 Passau
Artikel versenden Artikel drucken Leserbrief schreiben

Uni Passau gründete Wissenschaftsforum

Auf wissenschaftlicher Erkundungsfahrt in Myanmar


Rüdiger Korff, Professor für Südostasienkunde, und seine Mitarbeiter loteten in Myanmar Perspektiven für Kontakte zur Universität Passau aus und trafen auf ein Land im Umbruch. Um diese Prozesse zu beobachten, gründete sich heuer an der Universität Passau das Wissenschaftsforum Myanmar.

Eine Universität zu besichtigen, ist in Yangon (ehemals Rangun), der größten Stadt Myanmars, ein schwieriges Unterfangen. Es fordert Pendeldiplomatie zwischen Campus und zuständigem Ministerium, Geduld mit der Bürokratie, Verständnis für vorsichtige Kollegen und ein Faible für 95 Prozent Luftfeuchtigkeit in unklimatisierten Taxis.


Rüdiger Korff, Inhaber des Lehrstuhls für Südostasienkunde an der Universität Passau, nahm die Herausforderung an und reiste mit drei Mitstreitern für 9 Tage in das Land, das mit der Wahl der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ins Parlament wichtige Schritte in Richtung Demokratie wagt. Mit Mitteln des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) erkundete er, welche Möglichkeiten sich zur Anbahnung von Hochschulkontakten und Forschungskooperationen bieten.


Nach Gesprächen mit dem Deputy Director der Higher Education Commission erhielten Korff und sein Team die Erlaubnis, die dem Bildungsministerium unterstehende Universität von Yangon, eine der ältesten und einstmals besten Universitäten Asiens zu besuchen und deren Rektor zu sprechen. Die anfängliche Zurückhaltung bei den Gesprächspartnern der Reise – neben Professoren traf die Delegation vor allem Mitarbeiter von Entwicklungsorganisationen – wich dabei schnell einer überraschenden Offenheit. „Die Menschen diskutierten auf einmal in einer Art und Weise, für die sie vor wenigen Jahren noch ins Gefängnis gekommen wären“, so Korff. Myanmar ist im Umbruch, und für die Menschen gibt es kaum ein wichtigeres Thema als diese neue Entwicklung, ihre Begleiterscheinungen und positive Zukunftsperspektiven. „Ich war erstaunt, wie gut unsere Gesprächspartner über ähnliche gesellschaftliche Transformationsprozesse in China, Russland, Indonesien oder dem nahen Osten informiert sind“, sagt Korff. Das seit 1962 vom Militär regierte Burma verfolgte eine Poltik der Isolation. Nach einem Putsch 1988 wurde diese Isolation durch Sanktionen der westlichen Welt noch verstärkt. Trotz der Reformpolitik der 2011 gewählten zivilen Regierung sind die Sanktionen weiterhin in Kraft. Man hofft, dass durch den Einzug der Opposition ins Parlament die Entwicklung des Landes international unterstützt wird.


Entsprechend schwierig ist die Situation der Universitäten – es gibt kaum Auslandskontakte, Labore und Bibliotheken sind schlecht ausgestattet. Gleichzeitig ist der Bedarf an akademisch ausgebildeten Fachkräften sehr hoch. „Als ich 1980 das erste Mal nach Myanmar kam, traf man noch viele Leute, die im Bildungssystem der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien sozialisiert waren. Nach über 20 Jahren Isolation ist die Situation heute anders. Aber der Wille zur Bildung und Öffnung ist deutlich spürbar“, so Korff. Ebenso der nach Demokratie: Den Wahlkampf von Aung Suu Kyi, Friedensnobelpreisträgerin und Ikone der Demokratie, um einen Parlamentssitz erlebte die deutsche Gruppe als fröhliche Veranstaltung mit T-Shirts, Musik und öffentlichen Reden. „Die Grundstimmung der Menschen ist zukunftsfroh. Sie glauben fest, dass sich ihr Land zum Positiven entwickeln wird.“


Prof. Korff sieht trotz der noch bestehenden formalen Schwierigkeiten gute Chancen für Kooperationen. Myanmar brauche vor allem Unterstützung auf den Feldern Entwicklungsforschung, Jura, Sozialwissenschaften und Ökonomie. Da Deutschland vor 1988 wichtigster Geber von Entwicklungshilfe war und deutsches Recht in Asien verbreitet sei, ließe sich an alte Verbindungen anknüpfen. Auch angesichts der geopolitischen Lage Myanmars zwischen den aufstrebenden Weltmächten Indien und China lohne sich ein deutsches Engagement. „Ich könnte mir gut Projekte im Bereich der beruflichen Bildung und der Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen vorstellen“, sagte auch Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Sein Ministerium hatte über den DAAD Prof. Korffs Reise finanziert. „Man darf sich aber auch keine Illusionen machen. Das wird ein schwieriger und langer Weg“, sagt Korff. In Deutschland beschreitet er ihn mit der Betreuung des Wissenschaftsforum Myanmar, das im Januar an der Universität Passau gegründet wurde – ein Personennetzwerk mit dem Ziel, Wissenschaftler mit Myanmar-Bezug im deutschsprachigen Raum zu vernetzen und Synergien im Bereich Forschung und Wissenschaftskooperation zu schaffen, Zusammenarbeit mit Kollegen in Myanmar zu unterstützen sowie Kontakte zu in Myanmar aktiven Organisationen herzustellen. Am 9. Mai findet von 18 bis 20Uhr im ITZ Raum 002 eine öffentliche Veranstaltung über aktuelle Fragen zu Myanmar an der Südostasienkunde der Universität Passau statt .
 



Autor: pm

Weitere Nachrichten aus dem selben Ort: